Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Prognostische Unsicherheit in der Tympanoplastik: Wie genau können Chirurgen die postoperative Luftleitung vorhersagen?
Text
Einleitung: Untersuchung der Genauigkeit intraoperativer Vorhersagen otologischer Chirurgen zu postoperativen Luftleitungsschwellen (AC) nach Mittelohrchirurgie.
Methoden: Retrospektive Analyse von 103 Patienten, die zwischen Januar 2024 und Mai 2025 operiert wurden. Am Ende der Operation schätzten die Chirurgen die zu erwartende postoperative AC-Schwelle anhand intraoperativer Befunde. Diese Schätzungen wurden mit den audiometrisch erhobenen postoperativen Werten verglichen. Berechnet wurde die absolute Differenz zwischen Vorhersage und Messung über Standardfrequenzen. Zudem wurden Einflussfaktoren wie Pathologie, Operationsart, Erfahrung und Geschlecht untersucht.
Ergebnisse: In den meisten Fällen wurde die Richtung der Hörveränderung (Verbesserung, Stabilität, Verschlechterung) korrekt eingeschätzt. Die durchschnittliche Abweichung zwischen geschätzten und tatsächlichen AC-Schwellen betrug jedoch 10–13 dB, mit den größten Diskrepanzen in hohen Frequenzen. Die Vorhersagegenauigkeit war bei einfachen Trommelfellperforationen signifikant besser als bei komplexeren Pathologien wie Cholesteatomen. Unterschiede zwischen Operationsmethoden, Erfahrung oder Geschlecht der Chirurgen zeigten sich nicht. Häufig wurden Verbesserungen nach erfolgreicher Ossikelrekonstruktion oder Trommelfellverschluss erwartet, während bei unvollständiger Rekonstruktion oder massiver Pathologie eher schlechtere Ergebnisse prognostiziert wurden.
Diskussion: Chirurgen können die Tendenz postoperativer Hörergebnisse zuverlässig einschätzen, nicht jedoch die exakten AC-Schwellen. Für die präoperative Aufklärung ist daher eine realistische Erwartungshaltung wichtig. Zukünftige Verbesserungen könnten durch Integration klinischer Daten und den Einsatz von Machine Learning erreicht werden, um die prädiktive Genauigkeit in der Otologie zu steigern.



