Logo

Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026

Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
27.-28.02.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Reifzelliges extramedulläres Plasmozytom der Nasennebenhöhlen links

Amir Minovi - St. Elisabeth Krankenhaus Hohenlind, Köln, Deutschland
Adina Siepenkort - St. Elisabeth Krankenhaus Hohenlind, Köln, Deutschland

Text

Einleitung: Das Plasmozytom ist ein örtlich begrenzter Tumor aus monoklonalen Plasmazellen. Das Plasmozytom macht etwa 5% aller plasmazellulären Neoplasien aus und tritt in zwei Formen auf, als primäres Plasmozytom des Knochens und als extramedulläres Plasmozytom der Weichteile. Etwa 80% der extramedullären Plasmozytome treten an Kopf und Hals, meist in den oberen Atemwegen, auf. Das mittlere Alter bei der Diagnose ist 50 Jahre, das Geschlechtsverhältnis (m:w) ist 3:1. Therapie der Wahl ist die lokale Strahlentherapie.

Der 43-jährige Patient stellte sich aufgrund einer linksseitigen Nasenatmungsbehinderung und Rhinorrhoe links seit 6 Monaten vor. Der Patient wurde mit cortisonhaltigem Nasenspray anbehandelt, dies erbrachte keine Besserung.

Methoden: Die klinische Untersuchung zeigte eine fleischige, die mittlere Nasenmuschel medialisierende Raumforderung der Nebenhöhlen links. In der CT-Bildgebung zeigte sich eine Verschattung der linken Stirnhöhle, des Siebbeins, der Kieferhöhle sowie des linken mittleren Nasengangs. Zudem arrodierte die Weichteilformation die Lamina papyracea links mit Kontakt zum Musculus rectus medialis. Die ventrale Wand des Sinus maxillaris war destruiert, hier bestand Kontakt zur Gesichtsmuskulatur. Eine Ausdehnung nach kaudal bis in den Hartgaumen wurde vermutet.

Wir führten eine endonasale endoskopische Pansinus-OP mit Draf IIa links durch. Intraoperativ ergab sich der Verdacht eines Nasennebenhöhlenmalignoms mit vorerst die Diagnose eines sinunasalen Adenokarzinoms. Wir führten ein CT-Staging vom Hals-Thorax-Oberbauch sowie ein MRT des Schädels durch. Hier ergaben sich keine Fernmetastasierungen. Im MRT des Schädels ergab sich kein Hinweis auf eine intrakranielle Ausdehnung.

Ergebnisse: Die Referenzpathologie bei Dr. Klapper in Kiel ergab das Vorliegen eines reifzelligen Plasmozytoms des Marschalko-Typs der Nasennebenhöhlen links. Es erfolgte eine umgehende Anbindung an die Onkologie der Uniklinik Köln. Dort wurde eine Beckenkammstanze durchgeführt, um eine weitere Manifestation auszuschließen. Zusätzlich wurde ein PET-CT durchgeführt mit Ausschluss weiterer Nuklidmehrbelegung.

Therapeutisch erhielt der Patient eine Strahlentherapie.

Diskussion: Das extramedulläre Plasmozytom stellt eine seltene, aber relevante Erkrankung dar. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung ist die klinische und intraoperative Diagnosestellung nicht trivial. Die histologische Aufarbeitung erfolgt zudem meist über ein referenzpathologisches Labor, welche weitere Herausforderungen in der Diagnosestellung birgt. Die schnelle Anbindung an die Onkologie und die anschließende Strahlentherapie bieten eine gute Prognose und unterstreichen die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Behandlung solcher komplexen, seltenen Fälle.