Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Das synchrone, bilaterale p16-positive Tonsillenkarzinom – Diagnostik und Therapiefindung einer seltenen klinischen Konstellation
Text
Einleitung: HPV-assoziierte Oropharynxkarzinome zeigen in den letzten Jahren eine steigende Inzidenz und treten typischerweise unilateral auf. Ein bilaterales, insbesondere gleichzeitiges Auftreten ist eine Rarität und stellt eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Dieser Fallbericht beschreibt das diagnostische Vorgehen bei einem Patienten mit beidseitigem, p16-positivem Tonsillenkarzinom und die Entscheidungsfindung einer Therapieempfehlung
Ergebnisse: Ein 65-jähriger Patient mit arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus Typ II und langjährigem Nikotinkonsum (ca. 40 Pack-Years) stellte sich für eine Zweitmeinung in unserer Klinik vor. Der Patient berichtete über eine schmerzlose, rechtsseitige Halslymphknotenschwellung und ein Fremdkörpergefühl im Oropharynx ohne Dysphagie oder Allgemeinsymptome. Klinisch imponierte eine ulzerierende Raumforderung an der rechten sowie eine verhärtete, vergrößerte linke Tonsille. Zusätzliche ergab sie Sonografie beidseitig metastasenverdächtige Lymphknoten. Ein CT zeigte zystisch-nekrotische Lymphknoten beidseits, ohne eindeutigen Tumornachweis in den Tonsillen. Allerdings, war extern bereits eine Panendoskopie durchgeführt und ein p16-positives Plattenepithelkarzinom der linken Tonsille histologisch gesichert worden. Zudem bestand bereits ein unklarer Befund an der rechten Tonsille, da auch hier geringanteilig Tumorzellen gesichert werden konnten. Zum Ausschluss einer Proben-Kontamination wurde eine erneute Panendoskopie mit Biopsie der rechten Tonsille durchgeführt und bestätigte ein ebenso p16-positives Plattenepithelkarzinom der rechten Tonsille. Die PCR-Analyse ergab einen HPV-16-DNA-Nachweis. Das Tumorstadium wurde als cmT2 cN2 cM0 klassifiziert, der ECOG-Performance Status lag bei 0. Nach interdisziplinärer Falldiskussion wurde aufgrund der bilateralen Tumorlokalisation, der beidseitigen zervikalen Lymphknotenmetastasen, relevanter Komorbiditäten und der Patientenpräferenz eine primäre Radiochemotherapie empfohlen.
Diskussion: Synchrone oder metachrone Zweitkarzinome treten überwiegend bei p16-negativen Plattenepithelkarzinomen auf, während diese Konstellation bei HPV-assoziierten (p16-positiven) Karzinomen eine Rarität darstellt. Differenzialdiagnostisch muss stets auch eine Proben-Kontamination oder falsch-positive Biopsie in Erwägung gezogen werden. Dieser Fall eines synchronen, bilateralen, HPV-assoziierten Tonsillenkarzinoms unterstreicht die Notwendigkeit einer konsequenten beidseitigen Untersuchung – auch bei zunächst einseitigem Befund. Aber auch die Notwendgkeit einer individualisierten Therapieplanung im interdisziplinären Tumorboard, speziell bei komplexen Fällen wie einer bilateralen Tumorlokalisation.



