Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Fallbericht: Morbus Menkes (OMIM #309400, ORPHA 565) – die Kupfermangelkrankheit. Eine seltene Differentialdiagnose der Fettleber mit Diarrhoen
Text
Hintergrund und Ziel: Beim M. Wilson liegt eine Kupferüberladung vor, die auf einem Defekt des Transportproteins ATP7B beruht, welches u.a. den Efflux von Kupfer aus Hepatozyten in die Galle katalysiert. Störungen von ATP7A, ein Transportprotein, das u.a. den Einstrom von Kupfer aus dem Darmlumen in die Blutbahn reguliert, führen zur Kupferverarmung, dem M. Menkes. Die Krankheit ist ultraselten (Inzidenz 1:300.000), X-chromosomal rezessiv und muss differentialdiagnostisch bei allen Entwicklungsverzögerungen mit gastrointestinalem Phänotyp erwogen werden.
Methode: Wir berichten über die klinische Präsentation eines hochgewachsenen 22-jährigen Patienten (56 kg, 196 cm) mit M. Menkes und geben einen aktuellen Überblick über therapeutische Möglichkeiten sowie die Literatur.
Ergebnis: Nach normalem Schwangerschafts- und Geburtsverlauf entwickelte das Kind eine muskuläre Hypotonie sowie chronische Diarrhoen. Neurokognititive Auffälligkeiten mit einer Ataxie, einer Kyphoskoliose sowie eine Cutis laxa mit Pili torti (Stahlhaarkrankheit) wurden diagnostiziert, im 19. Lebensjahr erfolgte eine Vorstellung in Erwachsenenambulanzen. Eine Trio-Exom-Analyse von Kind und Eltern erbrachte den Nachweis der hemizygoten De-Novo-Mutation p.(Leu1347Ser) im ATP7A-Gen, vereinbar mit M. Menkes. Serum-Cu und -Coeruloplasmin waren erniedrigt. Die Kupferausscheidung im Urin war auf 0.368 mg/d erhöht (Norm < 0.06). Im Vordergrund stehen aktuell Diarrhoen sowie eine den Alltag nur mäßig beeinträchtigende Ataxie. Calprotectin, Pankreas-Elastase i. Stuhl sowie ÖGD und Coloskopie waren unauffällig, eine LMAS bestand nicht. Sonographisch bestanden Hepatomegalie ohne Splenomegalie, eine milde Steatosis hepatis ohne Transaminitis sowie ein Fibroscan von 5.6 kPa.
Zusammenfassung: Die Inzidenz der Menkes-Krankheit ist sehr gering. Der klassische Phänotyp des M. Menkes führt über ein progredientes neurodegeneratives Krankheitsbild zum Tod im frühen Kindesalter. Die abortive Präsentation der Krankheit im Erwachsenenalter zeigt neurokognitive Auffälligkeiten, eine Steatotis hepatis sowie therapieresistente Diarrhoen und die typischen Pili torti (Kräuselhaare). Kupfer-Histidinat (Zycubo®, 1.45 mg s.c./d) ist vor kurzem in den USA zugelassen worden, es verlängert die Lebenserwartung beim klassischen Typ signifikant. Zur Anwendung bei Erwachsenen mit Late-onset-Formen existieren kaum Daten, in Europa besteht derzeit keine Zulassung. Ein Genehmigungsverfahren ist initiiert, es soll nachberichtet werden.



