Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
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Prädiktive Aussagekraft klinischer Stoma-Scores zur Vorhersage der Anastomoseninsuffizienz nach robotisch-assistierter Rektumresektion
Text
Hintergrund und Ziel: Die Anastomoseninsuffizienz stellt weiterhin eine der klinisch relevantesten Komplikationen nach Rektumresektion dar. Eine protektive Stomaanlage ist jedoch ebenfalls mit Morbidität assoziiert. Obwohl verschiedene Risikoscores zur Abschätzung des Insuffizienzrisikos publiziert wurden, existiert bislang kein spezifischer Score für die robotische Rektumresektion. Für eine valide Identifikation unabhängiger Prädiktoren der Anastomoseninsuffizienz wären umfangreiche Patientenkollektive erforderlich. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, auf Grundlage eines systematischen Literaturreviews Scoring-Systeme zu entwickeln und deren diagnostische Leistungsfähigkeit in einer robotischen Rektumkohorte zu evaluieren.
Methode: Monozentrische Analyse einer prospektiv erhaltenen kolorektalen Datenbank. Konsekutiver Einschluss aller Patienten, welche zwischen 2010 und 2025 aus onkologischen Gründen einer robotischen Rektumresektion unterzogen wurden. Primärer Endpunkt der Auswertung war die diagnostische Vorhersageleistung der Scores einer Anastomoseninsuffizienz. Sekundäre Endpunkte waren die 30-Tage-Mortalität, postoperative Komplikationen und 6-Monate-stomaassoziierte Komplikationen. Receiver operating characteristic (ROC) analysis, Youden-Index und binär-logistische Regression wurden angewendet.
Ergebnis: Es wurden 233 Patienten eingeschlossen (Anastomoseninsuffizienz (AI) n = 50, keine Anastomoseninsuffizienz (NAI) n = 183). Aus sechs erstellten Scores zeigten sich zwei signifikant unterschiedlich zur NAI-Kohorte: Stoma Score 1 (StS1) (AI 2 {1.87 ± 1.29}) vs NAI 2 {2.02 ± 1.498}, p = .037) und Stoma Score 4 (StS4) (AI 2 {2.26 ± 1.514}) vs NAI 2 {2.25 ± 1.614}, p = .016). Die Fläche unter der Kurve (AUC) betrug 0,593 (95%-KI 0,508–0,679; p = 0,033) für den (StS1) und 0,608 (95%-KI 0,522–0,695; p = 0,014) für den (StS4). StS1 und StS4 wiesen respektive eine Sensitivität (66,0%/78,0%), eine Spezifität (50,8%/40,4%), einen positiven prädiktiven Wert (PPV: 26,8%/26,4%) sowie einen negativen prädiktiven Wert (NPV: 84,5%/87,1%) auf. StS4 war in der logistischen Regression signifikant mit Anastomoseninsuffizienz assoziiert (OR 1,25; 95%-KI 1,02–1,53; p = 0,028).
Zusammenfassung: Trotz begrenzter Diskriminationsfähigkeit weisen beide Scores aufgrund ihres hohen negativen prädiktiven Werts ein potenzielles Einsatzgebiet in der Identifikation von Patienten mit niedrigem Risiko für eine Anastomoseninsuffizienz auf. Der Verzicht auf eine Stomaanlage kann in diesen Fällen erwogen werden.



