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Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie


18.-19.06.2026
Dortmund

Meeting Abstract

„Ihre Schmerzen haben Sie nicht im Bauch, Sie haben Probleme im Kopf“. Ursachen, Diagnostik und Therapie arterio-viszeraler Kompressionssyndrome (DUNBAR, WILKIE) unter besonderer Berücksichtigung des hypermobilen EHLERS-DANLOS Syndroms

W. Sandmann - Clinic Bel Etage, Gefäßchirurgie, Düsseldorf, Deutschland; Medizinische Fakultät UKD, Gefäßchirurgie, Düsseldorf, Deutschland
T. Scholbach - Privates Institut für Ultraschalldiagnostik, Leipzig, Deutschland

Text

Hintergrund und Ziel: Kompressionsyndrome im Bauchraum (DUNBAR Syndrom, WILKIE Syndrom) und im Retroperitoneum (Nussknacker Syndrom, MAY-THURNER Syndrom) werden wegen einer multifokalen Beschwerde- und Schmerzsymptomatik klinisch regelmäßig nicht erkannt. Die Funktionsstörungen sind regelhaft mit konventioneller gastroenterologischer Diagnostik nicht erfassbar. Wegen der, die Lebensqualität einschränkenden Schmerzen im Oberbauch, trotz deutlichem Gewichtsverlust, werden die Patienten regelmäßig als psychotisch eingestuft. Wir berichten über 193 Patienten (166 weiblich, 27 männlich), Durchschnittsalter 28,7 Jahre, welche seit dem 1.1.2019 bis 31.01.2026 in 160 Fällen mit hEDS (142 weiblich, 18 männlich) und einem BEIGHTON score von 3–9 zur Dekompression kamen. Die Kompressionen ließen sich im USD-DUPLEX, im CTA und im MRT eindeutig morphologisch nachweisen, ebenso wie die dadurch verursachte lokale und generalisierte Blutumlaufstörung. Besonders wertvoll war die USD-DUPLEX Methode im Hinblick auf Nephroptose.

Methode: Die operative Dekompression wurde in der erweiterten Technik von PT Harjola (1963) (MALS) und der von uns weiterentwickelten Technik von R.BARNES (1988) (SMAS) durchgeführt.

Ergebnis: Von den 193 Patienten litten an Median arcuate Ligament Syndrome (DUNBAR) (n=71), an Superior mesenteric artery Syndrome (WILKIE) (n=23) und an beiden viszeralen Kompressionssyndromen (n=48). 53 Patienten (27%) wurden mit nasojejunaler Sonde, PEG, PICC Line oder total parenteraler Ernährung aufgenommen. Die Ergebnisse der operativen Dekompression waren in 95% der Patienten beim Ersteingriff erfolgreich. Bei allen Patienten konnten die Hilfsmittel der Ernährung entfernt werden. Todesfall, Blutung und Wundheilungsstörung traten nicht auf. Die hEDS typischen Beschwerden wurden nur zum Teil beseitigt. Wegen begleitender venöser Kompressionssyndrome wurden 51 Patienten mit dieser Technik versorgt.

Zusammenfassung: Es mag zuweisungstechnisch bedingt sein, aber der hohe Anteil an hEDS Patienten, welche von Kompressionssyndromen betroffen waren, ist ätiopathogenetisch auffällig, ebenso wie die regelhafte Verkennung dieser Krankheitszustände. Das Grundprinzip der Therapie sollte die Anbringung eines mesaortischen Protektionsschutzes in der Technik nach BARNES sein. Die Behandlung des Nussknacker Syndroms erfasst mit dieser Technik ebenfalls das Wilkie Syndrom. Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass diese Patienten nicht psychisch, sondern somatisch krank sind.