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Viszeralmedizin NRW 2025. 191. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie in Nordrhein-Westfalen


12.-13.06.2025
Essen


Meeting Abstract

Vergleich und Validierung von vier klinischen Scores zur Risiko Abschätzung in der laparoskopischen Leberchirurgie

Abdallah Abdallah 1
Daniel Heise 1,2
Felix Oldhafer 1
Oliver Beetz 1
Iakovos Amygdalos 1
Ugur Gökcelli 1
Tom Ulmer 1,2
Ulf Neumann 1,2
Florian Vondran 1
Franziska Meister 1
1Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Kinder- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
2klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund: Die minimal-invasive Leberchirurgie gewinnt sowohl für die Behandlung benigner als auch maligner Tumore zunehmend an Bedeutung. Deren Einführung kann die perioperative Morbidität signifikant reduzieren. Um die technische Komplexität laparoskopischer Leberresektionen präoperativ besser einschätzen und eine fundierte Risikoabschätzung durchführen zu können, wurden in der Vergangenheit verschiedene Bewertungssysteme entwickelt. Ziel dieser Studie ist es, die bekannten, jedoch bisher nur begrenzt validierten Scores von Iwate, Hasegawa, Halls und Kawaguchi hinsichtlich ihrer Aussagekraft zu vergleichen und deren Anwendbarkeit in zwei monozentrischen Kohorten zu validieren.

Material und Methoden: Alle Patient:innen, die sich zwischen Januar 2012 und Januar 2020 in unserem Zentrum aufgrund gutartiger oder bösartiger Läsionen einer laparoskopischen Leberresektion unterzogen, wurden in die Analyse eingeschlossen (n=202; Kohorte 1). Zur Überprüfung der Übertragbarkeit der Ergebnisse erfolgt aktuell eine Validierung an einer zweiten Kohorte, die im Jahr 2024 nach einem Wechsel des leberchirurgischen Teams behandelt wurde (n=52; Kohorte 2).

Ergebnisse: Alle vier Scores zeigten eine statistisch signifikante Korrelation nach Spearman mit der Operationsdauer, dem intraoperativen Blutverlust, der Dauer des Krankenhausaufenthalts sowie den postoperativen Komplikationen, gemessen am Comprehensive Complication Index (CCI) (Kohorte 1). Die Scores von Halls und Iwate erwiesen sich als überlegen bei der Vorhersage der Operationsdauer (r = 0,588, p < 0,001 bzw. r = 0,621, p < 0,001) und des intraoperativen Blutverlusts (r = 0,513, p < 0,001 bzw. r = 0,428, p < 0,001). Darüber hinaus überzeugten Halls und Iwate in der uni- und multivariaten Analyse bei der Vorhersage relevanter postoperativer Komplikationen (Clavien-Dindo ≥3a) mit einer Odds Ratio (OR) von 8,38 (95% CI: 2,91–24,09; p < 0,001) bzw. 11,51 (95% CI: 3,26–40,60; p < 0,001). Die Ergebnisse der Validierung mittels Kohorte 2 stehen zum Zeitpunkt der Abstract Einreichung aus und werden nachberichtet.

Schlussfolgerung: Die vier analysierten Scores zeigen eine klare Eignung zur Vorhersage des perioperativen Risikos und könnten in die klinische Operationsvorbereitung integriert werden. Es zeigt sich leichte Überlegenheit der Scores von Halls und Iwate. Neben der internen Validierung sind weitere prospektive Studien notwendig, um diese Ergebnisse zur bestätigen. Zudem sollten künftige Studien auch die zunehmende Implementierung der roboter-assistierten Leberchirurgie bei der Bewertung minimal-invasiver Resektionsstrategien berücksichtigen.