52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Radioligandentherapie mit [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA I&T bei älteren Patienten: Sicherheit, Effektivität und prognostische Faktoren für das Gesamtüberleben
Text
Einleitung: Ziel dieser Studie war es, die Sicherheit und Wirksamkeit der prostataspezifische Membranantigen (PSMA)- gerichteten Radioligandentherapie (RLT) mit [177Lu]Lu-PSMA I&T bei Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) im Alter von ≥75 Jahren zu evaluieren sowie basale Prädiktoren des Gesamtüberlebens (OS) zu untersuchen.
Methodik: 56 Männer (medianes Alter 78 Jahre, Spannweite 75–95) wurden mit einer RLT behandelt. Nebenwirkungen wurden gemäß CTCAE v5.0 erfasst. Baseline-Parameter wie der der Gleason-Score, Blutwerte (z.B. PSA, LDH) sowie Metastasierungsorte (Knochen, Lymphknoten, Leber, Lunge) wurden erfasst. Quantitative PET-Parameter (SUVmean, SUVpeak, SUVmax, PSMA-TV, TL-PSMA) wurden bestimmt. Das PET-Ansprechen wurde nach RECIP 1.0, das biochemische Ansprechen nach PCWG3 bewertet. Assoziationen mit dem Gesamtüberleben (OS) wurden mittels uni- und multivariabler Cox-Regression sowie Kaplan–Meier-Kurven analysiert.
Ergebnisse: Es traten keine Grad III oder IV Toxizitäten. Hämatologische Nebenwirkungen Grad I/II umfassten Anämie (23,2%), Leukopenie (18,6%) und Thrombozytopenie (9,3%); die eGFR nahm um 2,5% ab (Grad I/II bei 18,6% der Fälle). Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 11 Monate; 60,7% der Patienten verstarben. Bei 74,4% der Patienten (32/43) zeigte sich ein PSA-Abfall (Median –58%; 14/43 ≥50%). Ein höheres Baseline-PSA (HR 1,001 pro ng/mL; p<0,10) sowie ein höherer LDH-Wert (HR 1,008 pro U/L; p<0,01) waren mit einem kürzeren OS assoziiert. Patienten mit progredienter Erkrankung sowohl nach RECIP als auch nach PCWG3 hatten ein kürzeres OS als die übrigen (11 vs. 22 Monate; HR 3,3; p<0,01). Jegliches PSA-Ansprechen sagte ein längeres OS voraus (21 vs. 7 Monate; HR 0,3; p<0,01). Das Vorliegen von Lebermetastasen war mit einer schlechteren Prognose verbunden (8 vs. 21 Monate; HR 6,7; p<0,001).
Schlussfolgerung: Die [177Lu]Lu-PSMA I&T-Radioligandentherapie wird bei Patienten ≥75 Jahren gut vertragen. Niedrigere PSA- und LDH-Ausgangswerte, nicht jedoch das PSMA-positive Tumorvolumen (PSMA-TV), sind Prädiktoren für ein längeres Gesamtüberleben (OS). Ein frühes PSA-Ansprechen korreliert stark mit einem verbesserten Überleben. Die kombinierte Anwendung der RECIP- und PCWG3-Kriterien optimiert die Ansprechbewertung.



