66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Rezidivierende Harnwegsinfektionen – Versorgungsforschung am Beispiel der Prophylaxe mit Nitroxolin
Text
Einleitung: Zu Nitroxolin, das als Hydroxychinolinderivat mit antibakterieller, antimykotischer und Biofilm-degradierenden Eigenschaften zu den 4 empfohlenen oralen Antibiotika bei der akuten Harnwegsinfektion (HWI) gehört, liegen bisher sehr wenig Daten zur Prophylaxe vor, obwohl Nitroxolin eine Zulassung dafür besitzt.
Methode: Um diese Lücke zu schließen, wurden therapiebegleitend Daten von 360 Patienten, die Nitroxolin in der Prophylaxe von rez. HWI erhielten, erfasst.
Ergebnisse: Das mittlere Alter der 271 weiblichen Patienten lag bei 65 ± 19; das der 89 Männer bei 72 ± 11 Jahren. Bei 98% aller Patienten lag eine leitliniengerechte Indikation zur Prophylaxe gemäß der Definition rezidivierender HWI (≥ 2 symptomatische Episoden in 6 bzw. ≥ 3 Episoden in 12 Monaten) vor. Unter den für den letzten akuten Schub eingesetzten Antibiotika waren neben den in der S3-Leitlinie empfohlenen Substanzen auch Fluorchinolone (12%), Cephalosporine (11%), Amoxicillin (2%) und andere (4% – wie z.B. Meropenem oder Piperacillin/Tazobactam). Gemessen mit dem Charlson Comorbidity Index firmierten 20% der weiblichen und 47% der männlichen Patienten mit einem Punktwert von ≥ 2 als multimorbid. In Anlehnung an die Definition des geriatrischen Patienten der Dt. Ges. für Geriatrie (> 70 Jahre und multimorbid oder > 80 Jahre) ließen sich 23% der Frauen und 48% der Männer als „geriatrisch“ einstufen. Der Anteil der Diabetiker in dieser Erhebung lag mit 46 von 271 weiblichen Patienten (17%) bzw. 23 von 89 männlichen Patienten (25,8%) Diabetiker) höher als in der Allgemeinbevölkerung erwartet. Bei 31,7% aller Patienten lagen komplizierende Faktoren wie Harntraktanomalien oder eine Niereninsuffizienz vor. Die Mehrzahl der Patienten erhielten eine Prophylaxe über 3 bis 6 Monate. Die längste erfasste Prophylaxedauer betrug 243 Monate. In 84,1% der Fälle wurde die empfohlene Prophylaxe-Dosis von 1 x 250 mg gewählt. Eine Durchbruchsinfektion trat bei 46 Patienten (12,8%) auf. Bei 6 Patienten musste die Prophylaxe wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden.
Schlussfolgerung: Die vorliegende Erhebung bietet Daten über Nitroxolin in der Prophylaxe von rez. HWI. Überraschend ist das hohe Durchschnittsalter der Behandelten, die offenbar in der Realität für die letzte Episode vor der Prophylaxephase doch verwendeten Reserveantibiotika und die Häufung von Comorbiditäten und hier insbesondere des Diabetes mell. Vor diesem Hintergrund stellt sich bei einer Durchbruchsrate von 12,8% und einer Abbruchrate wegen Nebenwirkungen von 1,7% die Prophylaxe mit Nitroxolin als günstig im Nutzen-Risiko-Profil dar.



