66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
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Allium URS-Ureterstent: eine Langzeittherapieoption für arterio-ureterale Fisteln
Text
Einleitung: Eine arterio-ureterale Fistel stellt eine pathologische Verbindung zwischen Ureter und arteriellen Gefäßen dar. Sie ist selten, jedoch potenziell lebensbedrohlich und kann sich klinisch durch intermittierende bis massive Makrohämaturie präsentieren, mit einer Mortalität von 7–23%. Zu den Risikofaktoren gehören das gleichzeitige Vorhandensein arterieller und ureteraler Stents, arterielle Pseudoaneurysmen, Urinome, vorangegangene Bestrahlung, chronische Infektionen sowie abdomino-vaskuläre Eingriffe.
Diagnostisch kommen u.a. (CT-)Angiographie, Ureterographie und die direkte endoskopische Beurteilung in Betracht.
Therapeutisch existieren sowohl urologische als auch gefäßchirurgische Ansätze. Eine minimal-invasive Langzeitlösung können Allium-Stents darstellen. Diese großlumigen, selbstexpandierenden, hochflexiblen Stents bestehen aus Nitinol (Nickel-Titan-Legierung) und sind mit Co-Polymer beschichtet; ein Material, das das Risiko für Inkrustationen verringert.
Methode: Wir berichten über einen 77-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig bei seit einer Woche bestehender, rezidivierender, zunehmender Makrohämaturie vorstellte. Relevante Vorerkrankung war eine linksseitige DJ-Dauerversorgung bei früherer infizierter Harnstauungsniere infolge einer extrinsischen Kompression des mittleren Ureters durch eine thorako-abdominelle Stentprothese. Am selben Tag erfolgte die Einlage eines Spülkatheters sowie die manuelle Ausräumung einer Blasentamponade. Nach Aufklaren der Urinfarbe erfolgte eine endoskopische Abklärung, bei welcher sich eine arterio-ureterale Fistel in loco typico im Bereich der ilioureteralen Kreuzung zeigte.
Zwei Therapiemöglichkeiten wurden in Betracht gezogen: Entweder eine offen-chirurgische Versorgung, alternativ den Einsatz eines beschichteten Allium-Harnleiterstents zur endoluminalen Schienung. Aufgrund der Komorbiditäten wurde die minimal-invasive Stentlösung bevorzugt.
Ergebnisse: 6 Monaten nach Einlage des Allium-Stents erfolgte die telefonische Kontaktaufnahme mit dem Patienten. Es konnte ein beschwerdefreier Zustand erreicht werden. Auf Anfrage wurden neue Episoden von Makrohämaturie, dysurischen Beschwerden oder Flankenschmerzen verneint.
Schlussfolgerung: Bei neu aufgetretener Makrohämaturie in Kombination mit relevanten Risikofaktoren sollte differenzialdiagnostisch stets eine arterio-ureterale Fistel in Betracht gezogen werden. Es handelt sich um ein seltenes, jedoch potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild, das insbesondere bei gleichzeitiger mechanischer Belastung durch arterielle und ureterale Stents begünstigt wird.
Die Implantation eines Allium-Ureterstents stellt eine effektive und minimal-invasive Langzeittherapieoption dar und kann in ausgewählten Fällen eine chirurgische Rekonstruktion vermeiden.



