66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Der transrectale oder transvaginale Ultraschall beim prävesikalen Harnleiterstein: das diagnostische Mittel der Ersten Wahl
Text
Einleitung: Das Low-Dose-CT vom Abdomen ist auch bei prävesikalen Harnleitersteinen die Untersuchungsmethode der ersten Wahl, obwohl jede:r Urolog*in für die Steindiagnostik beim prävesikalen Harnleiterstein am Ultraschallgerät eine Rectalsonde zur Verfügung hätte. Während beim Aufsuchen des proximalen Steines ein High-End-Gerät von Vorteil ist, reicht für die Sicherung des prävesikalen Harnleitersteines eine Rectalsonde eines niedrig-preisigen Schallgerätes, das einen Stein im Harnleiter sicher in den letzten 4 cm aufsuchen lässt. Bei den Frauen kann bei ausreichender Scheidenlänge der erweiterte Harnleiter fast vollständig bis zu den Beckengefäßen verfolgt werden.
Methode: In der Asklepios Klinik Lindau steht uns ein High-End-Ultraschallgerät der Fa. Samsung WS 80A in der gynäkologischen Abteilung zur Verfügung, in der Notaufnahme ein mobiles, neueres GE-Gerät; für den Erstkontakt in der urologischen Praxis wurde ein Mindray-Gerät M6 verwendet.
Ergebnisse: Mittlerweile sind im Patientenkollektiv 423 Patienten mit Nierenkolik durch einen Harnleiterstein erfasst. 156 Pat. (37%) hatten ihren Stein zwischen Nierenbeckenabgang und iliakaler Gefäßkreuzung, bei 267 Pat. (63%) lag der Stein distal der iliakalen Gefäße. Bei 147 Pat. (94%) wurde der proximale Stein auch sonographisch mit und ohne CT-Kenntniss verifziert; bei 87 Pat. (57%) wurde keine CT-Untersuchung durchgeführt, auch nicht vor der endoskopischen Steinsanierung.
Bei den distalen Harnleitersteinen umfasst das Kollektiv 267 Pat.; hier wurde der Stein bei 251 Pat. (94%) nachgewiesen, transrectal bei den Männern, im Frauenkollektiv durch den transvaginalen Schall; bei den letzten 43 Pat. konnte der Stein nur bei 6 Pat. (14%) transabdominal auch gesehen werden. Bei 191 Pat. (71%) mit distalen Steinen wurde gänzlich auf ein CT verzichtet. Das Twinkling-Zeichen, durch Einschalten des Farbmodus, war bei den letzten 107 Pat. nur bei 38 Pat. (35%) positiv verwertbar.
Schlussfolgerung: Harnleitersteine mit Nierenkoliken lassen sich zu > 90% mit dem Ultraschall erkennen, unabhängig von ihrer Lage. Bei den prävesikal liegenden Steinen könnte der/die Urolog*in durch den transrectalen/transvaginalen Ultraschall den Stein schnell und sicher erkennen, bei den Männern allerdings nur in den letzten 4 cm; der Abgang kann jederzeit dokumentiert werden. Das Twinkling-Zeichen hat in unserem Kollektiv keine tragende Rolle, aber sichert schneller den distalen Stein bei der abdominalen/transvesikalen Ultraschalluntersuchung.



