188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Spontane Lösung einer vitreomakulären Traktion mit fovealer Restitution bei bilateralem Verlauf
Text
Hintergrund: Das idiopathische Makulaforamen ist ein umschriebener Defekt der neurosensorischen Retina im Bereich der Fovea, typischerweise verursacht durch vitreomakulären Zug. Die Standardtherapie besteht in der Pars-plana-Vitrektomie mit ILM-Peeling und Gasinjektion.
Fallbeschreibung: Eine 72-jährige Patientin mit beidseitiger Pseudophakie (Operation 2023) stellte sich im Juli 2023 erstmals in unserer Ambulanz vor: - Rechtes Auge (OD): idiopathisches Full-thickness-Makulaforamen (Stadium II nach Gass) - Linkes Auge (OS): vitreomakuläre Traktion (VMT) mit fovealer Dehiszenz (Stadium I nach Gass) Da die Befunde stabil erschienen, wurde eine konservative Beobachtungsstrategie mit regelmäßigen OCT-Kontrollen beschlossen. Im Juli 2024 zeigten sich weiterhin stabile Befunde beidseits. Im Juli 2025 ergab die OCT-Untersuchung: - Rechtes Auge: spontaner Verschluss des Makulaforamens mit Wiederherstellung der fovealen Kontur und vollständiger Lösung der VMT - Linkes Auge: partielle spontane Lösung der VMT mit struktureller Befundbesserung und Wiederherstellung einer regelmäßigen fovealen Kontur – kein Fortschreiten zum full-thickness Makulaforamen Visus: OD 0,9/OS 0,8 Augeninnendruck: 12 mmHg OU
Diskussion: Dieser Fall illustriert einen seltenen bilateralen Verlauf idiopathischer makulärer Pathologien. Am rechten Auge kam es zu einem spontanen Verschluss eines Full-thickness-Makulaforamens (Stadium II nach Gass), während am linken Auge eine foveale Dehiszenz unter VMT bestand, die sich im Verlauf strukturell zurückbildete.
Neuere Analysen zeigen, dass Spontanverschlüsse idiopathischer full-thickness Makulaforamina in etwa 3% bis 15% der Fälle auftreten, mit einer medianen Zeit bis zum Verschluss von 13,7 Wochen. Im vorliegenden Fall erfolgte der Spontanverschluss jedoch deutlich später, innerhalb eines Beobachtungszeitraums von mindestens einem Jahr, was die Variabilität solcher Verläufe und die Bedeutung einer individuellen Verlaufsbeurteilung unterstreicht. Pathophysiologisch werden diese Prozesse überwiegend durch eine spontane Lösung der VMT und gliale Bridgingmechanismen (Müller-Zell-Aktivität) erklärt.
Eine intakte Ellipsoid Zone (IS/OS) gilt dabei als wesentlicher Prädiktor für einen günstigen funktionellen Verlauf.
Schlussfolgerung: Der vorliegende Fall hebt hervor, dass bei kleinen idiopathischen Full-thickness-Makulaforamina im Frühstadium und bei asymptomatischen oder nur mild symptomatischen Patient:innen eine initiale Beobachtungsstrategie unter engmaschiger OCT-Kontrolle eine sinnvolle Alternative zum unmittelbaren operativen Vorgehen darstellen kann.



