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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Standardisierte Spaltlampenfotografie zur Darstellung vorderer Glaskörperzellen: Durchführbarkeit, Interrater- sowie Interuntersuchungs-Reliabilität und Korrelation mit der klinischen Bewertung

Marie Delphine Just - Bonn
A. Weigandt - Bonn
I. Yunuszada - Bonn
S. Foti - Bonn
F. Hille - Bonn
F.G. Holz - Bonn
M. Saßmannshausen - Bonn
M.M. Mauschitz - Bonn
M.W.M. Wintergerst - Bonn; Grischun

Text

Ziel: Die Bewertung der Präsenz von Glaskörperzellen ist Bestandteil der „Standardization of Uveitis Nomenclature“ (SUN). Bisher konnte jedoch kein Konsens über eine Quantifizierungsskala erzielt werden. Diese Arbeit untersucht die Durchführbarkeit der standardisierten Darstellung vorderer Glaskörperzellen mittels Spaltlampenfotografie zur Entwicklung einer reproduzierbaren klinischen Bewertungsskala. Darüber hinaus werden die Interrater- und Interuntersuchungs-Reliabilität der Zellquantifizierung anhand standardisierter Aufnahmen sowie deren Korrelation mit der subjektiven klinischen Bewertung bestimmt.

Methode: Spaltlampenfotografie-Aufnahmen des vorderen Glaskörpers von 108 Patient:innen (129 Augen in Mydriasis) mit Uveitis nach SUN-Kriterien wurden mittels HAAG-STREIT Spaltlampe (Model BQ 900, Imaging Module 910, HAAG-STREIT Group, Schweiz) erstellt. Die Blende der Kamera (1–6), die Breite des Spaltlichtstrahls (10–20) und der Spaltlichtwinkel (0–30°) wurden systematisch verändert. Zwei Rater bewerteten Bildqualität (1–3), auswertbare Fläche (0–100% in 5%-Schritten; vitreous Region of Interest = vROI), Kontrast (hoch/niedrig) und Tiefenschärfe (in Pixel; ImageJ, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland, USA) in Abhängigkeit der Spaltlampenfotografie-Einstellung. Die Interrater-Reliabilität (IRR; Signifikanzniveau (α) von 0,05) wurde ermittelt. Bevorzugte Spaltlampenfotografie-Einstellungen zur Durchführbarkeit der Aufnahmen und Darstellung vorderer Glaskörperzellen wurden identifiziert und für die Subgruppenanalysen herangezogen. In der ersten Subgruppe wurde die Glaskörperzellzahl von zwei unabhängigen Ratern manuell bewertet. Die IRR (Intraklassenkorrelation [ICC]); 95%-Konfidenzintervall [95% CI]; Signifikanzniveau [α] von 0,05) wurde berechnet. Die mittlere Glaskörperzellzahl der beiden Rater wurde mit der klinischen subjektiven Bewertung (Glaskörperzellen 0; 0,5; 1; 2) für verschiedene Einstellungen unter Verwendung des Spearman (r)-Korrelationstests verglichen. In der zweiten Subgruppe erfolgte die Analyse hinsichtlich der Interuntersuchungs-Reliabilität (Kopf- oder Augenbewegungen zwischen zwei unmittelbar aufeinander folgenden Aufnahme-Zeitpunkten) der Glaskörperzellzahl (ICC; 95% KI; α von 0,05).

Ergebnisse: Insgesamt wurden 129 Augen von 108 Patienten und 6.600 Aufnahmen eingeschlossen. Der Anteil an Aufnahmen mit ausreichender Bildqualität betrug 29,3% (IRR: squared Cohen's Kappa (κ)=0,74; p<0.001). Die durchschnittliche vROI und die Tiefenschärfe betrugen 37,9% (IRR: κ=0,92; p<0,001) bzw. 1,16×10⁵ Pixel (IRR: ICC=0,92; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,91–0,92; p<0,001). Ein hoher Zellkontrast wurde in 74,0% aller Aufnahmen mit ausreichender Bildqualität festgestellt (IRR: κ=0,72; p<0,001). Als geeignete Spaltlampeneinstellungen für eine hohe Durchführbarkeit und adäquate Darstellung der Glaskörperzellen (bezeichnet als „bevorzugte Einstellungen“) wurden eine Spaltbreite von 12,5 oder 15, eine Blendenöffnung von 1 bis 4 sowie ein Spaltlichtwinkel von 20° oder 25° identifiziert. Eine ausreichende Bildqualität wurde in 39,3% der Aufnahmen mit bevorzugten und in 24,8% der Aufnahmen mit nicht bevorzugten Einstellungen erreicht. Die durchschnittliche auswertbare Fläche betrug 25,8% bzw. 26,8%, die Tiefenschärfe 1,10×10⁵ bzw. 1,19×10⁵ Pixel, und ein hoher Zellkontrast wurde in 90,1% bzw. 63,6% der Aufnahmen mit bevorzugten bzw. nicht bevorzugten Einstellungen beobachtet. In der ersten Subgruppenanalyse wurden 646 Aufnahmen eingeschlossen, es zeigte sich eine insgesamt gute Übereinstimmung (IRR: ICC=0,78; 95%-KI: 0,75<ICC<0,81; p<0,001) hinsichtlich der manuellen Quantifizierung der Glaskörperzellzahl. Die mittlere Glaskörperzellzahl (Standardabweichung = SD) betrug 43 (SD+/-33) für den ersten und 37 (SD+/-24) für den zweiten Rater. Die Korrelation zwischen der subjektiven klinischen Einstufung und der mittleren Glaskörperzellzahl beider Rater zeigte eine mittlere positive Korrelation für alle einbezogenen bevorzugten Spaltlampeneinstellungen (p<0,001 für alle): Blende 1–6 (r=0,33–0,42). Die zweite Subgruppenanalyse (128 Aufnahmen) zeigte eine schwache bis moderate Übereinstimmung hinsichtlich der Interuntersuchungs-Reliabilität (Rater A IRR: ICC=0,39; 95%-KI: 0,16<ICC<0,58; p<0,001; Rater B ICC=0,43; 95%-KI: 0,21<ICC<0,60).

Fazit: Unsere Studie zeigt, dass es möglich ist, standardisierte Spaltlampenfotografie zur objektiven Quantifizierung von Glaskörperzellen zu verwenden, dass die Einstufung mit der subjektiven klinischen Bewertung korreliert und dass Glaskörperzellen anhand standardisierter Spaltlampenfotografie mit ausreichender Interrater-Reliabilität eingestuft werden können. Eine Erhöhung der Interuntersuchungs-Reliabilität könnte zukünftig durch die Mittelung wiederholter Messaufnahmen erreicht werden. Standardisierte Spaltlampenfotografie könnte im Studien- und Klinik-Setting die Reliabilität der Entzündungsbewertung verbessern.