188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Ein verhängnisvolles Hobby
Text
Ziel: Fallbeschreibung bei Verbrennung des vorderen Auges durch flüssiges Metall.
Methode: Verbrennungen durch geschmolzenes Metall – insbesondere Aluminium – können die okuläre Oberfläche sowie die periokulären Adnexe schwer schädigen. Aufgrund der extrem hohen Temperatur und der chemischen Reaktion zwischen Metall und Gewebe entstehen häufig kombinierte thermische und mechanische Verletzungen. Im vorliegenden Fall wird über eine einseitige, hochgradige okuläre Verletzung durch flüssiges Aluminium mit vollständiger Zerstörung des vorderen Augenabschnitts und das entsprechende Therapieregime berichtet.
Ergebnis: Ein 61-jähriger Mann wurde einen Tag nach einer häuslichen Unfallsituation, bei der flüssiges Aluminium in sein rechtes Auge gespritzt war, aus einer städtischen Klinik in die Augenklinik der Universität Bonn überwiesen. Der Patient berichtete über massive Schmerzen am rechten Auge. Bei Aufnahme zeigten sich vollständig versengte Brauen und Wimpern sowie zweitgradige periokuläre Verbrennungen der Ober- und Unterlider. Die Konjunktiva präsentierte sich ischämisch und nekrotisch. Die Hornhaut erschien vollständig getrübt und mit aufgehobener Vorderkammer. Zusätzlich bestand ein parazentraler kornealer Defekt. Ein B-Scan-Ultraschall zeigte eine anliegende Retina und einen intakten Glaskörper. In der kraniofazialen CT-Untersuchung fanden sich keine orbitalen knöchernen Verletzungen. Das linke Auge zeigte bis auf geringgradige periokuläre Verbrennungen und einen nasalen Bindehautdefekt keine Auffälligkeiten. Der Patient wurde stationär aufgenommen. Es erfolgte umgehend eine intravenöse Antibiotikatherapie und Analgesie sowie eine operative Exploration mit begrenztem Debridement nekrotischer Lid- und Konjunktivagewebe durchgeführt. Nach 5 Tagen kam es zu einer zunehmenden Nekrose des Oberlides mit Freilegung von Meibom-Drüsen und Tarsus. Zum Schutz der okulären Oberfläche wurden zweimal Amnionmembran-Deckungen ohne Naht durchgeführt. Zudem erfolgte nach Stagnation der Nekrose eine Lidrekonstruktion unter Verwendung eines Hauttransplantats von der kontralateralen Seite.
Schlussfolgerung: Dieser Fall verdeutlicht das verheerende Potenzial von Metallverbrennungen des Auges und die Bedeutung einer stadiengerechten Therapie.



