188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Diagnostische und therapeutische Bedeutung der HSV-Immunfärbung bei Hornhautpräparaten nach Keratoplastik und DMEK
Text
Ziel: Die Differenzierung zwischen herpetischer und nicht herpetischer Keratitis ist klinisch und histologisch oft schwierig, insbesondere bei komplexen Verläufen nach Keratoplastik oder DMEK. Ziel der Studie ist (1) die klinisch-pathologische Aufarbeitung von Hornhautpräparaten mit durchgeführter HSV-Immunfärbung, (2) die Bewertung des diagnostischen Zusatznutzens der HSV-Färbung in unklaren Fällen und (3) die Beschreibung charakteristischer histologischer Merkmale HSV-assoziierter Hornhauterkrankungen.
Methode: Retrospektive Studie histologisch aufgearbeiteter Hornhautpräparate mit HSV-Immunfärbung. Erfasst wurden Demografie, klinische Ausgangsdiagnose und Eingriff (perforierende Keratoplastik, DMEK), Vorbehandlungen sowie standardisierte histologische Befunde (Epithel- und Stromaveränderungen, Entzündungsmuster, Endothelbefall). Die HSV-Färbung wurde mittels Score von 0–3 (0: negativ; 1: schwach positiv; 2: mäßig positiv, 3: stark positiv) ausgewertet und nach Lokalisation (Epithel, Stroma, Endothel) dokumentiert. In Fällen mit unklarer Genese wurde der Einfluss der HSV-Färbung auf Diagnosestellung und Therapieanpassung erhoben. Outcomes sind unter anderem Transplantatversagen oder Re-Eingriffe.
Ergebnis: Die klinisch-pathologische Korrelation von 44 Fällen bei pKPL (n=35) und DMEK (n=9) deutet darauf hin, dass eine positive HSV-Immunfärbung insbesondere bei unklaren Abstoßungsreaktionen von Keratoplastiken sowie bei Endotheldekompensation nach DMEK gehäuft auftritt. In sechs Fällen konnte die Färbung zur diagnostischen Klärung beitragen und die klinische Einschätzung unterstützen.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstreichen die potenzielle Bedeutung der HSV-Immunfärbung für die Diagnostik komplexer Hornhauterkrankungen. Eine systematische klinisch-histologische Korrelation kann helfen, Indikationen für den Einsatz dieser Färbung präziser zu definieren und die diagnostische Sicherheit in unklaren Fällen zu erhöhen. Langfristig soll die Arbeit zur Entwicklung standardisierter Kriterien zur histologischen Beurteilung der HSV-assoziierten Keratitis beitragen.



