188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Zwei konsekutive Fälle nach intravitrealer Injektion
Text
Hintergrund: Die intravitreale Injektion von Anti-VEGF ist Standard in der Therapie der neovaskulären AMD. Trotz hoher Sicherheitsstandards können selten Befunde auftreten, die zunächst eine differenzialdiagnostische Herausforderung darstellen und zu Verunsicherung führen können.
Fallbeschreibung: Ein 61-jähriger Patient stellte sich drei Tage nach intravitrealer Aflibercept-Injektion (Eylea) am linken Auge notfallmäßig vor. Er berichtete über seit zwei Tagen bestehende Photopsien im Sinne weißer Bläschen im oberen Gesichtsfeld, ohne Schmerzen oder Visusminderung. Visus und IOD waren stabil. Fundoskopisch zeigten sich eine aufgelockerte Makula, Glaskörpertrübungen und mehrere frei flottierende Bläschen im oberen Glaskörperraum. Es wurde zunächst ein abwartendes Vorgehen und Kontrolle nach zwei Tagen vereinbart. Am Tag der geplanten Kontrolle stellte sich eine 87-jährige Patientin mit ähnlicher Symptomatik notfallmäßig vor. Sie hatte eine Woche zuvor (zwei Tage vor dem ersten Patienten) auch eine Eylea-Injektion am rechten Auge erhalten und berichtete über Photopsien sowie Schmerzen unmittelbar nach der Injektion. Der niedergelassene Augenarzt hatte eine Konjunktivitis vermutet und antibiotisch behandelt.
Untersuchung: Visus um 10% reduziert, IOD stabil, Vorderabschnitt weitgehend reizfrei. Fundoskopisch zeigten sich eine aufgelockerte Makula, PE-Verschiebungen, Glaskörperverdichtungen und frei flottierende Bläschen – analog zum ersten Patienten.
Diskussion: Das nahezu zeitgleiche Auftreten bei zwei Patienten deutete auf ein technisches Problem hin. Die Krankenhausapotheke wurde informiert und die entsprechende Eylea Charge zurückgezogen. Unter den übrigen Patient:innen, die bereits Injektionen aus dieser Charge erhalten hatten, fand sich kein weiterer Befund. Differenzialdiagnostisch war eine Endophthalmitis ausgeschlossen.
Eine PPV wurde diskutiert, letztlich jedoch im Konsens mit den Patienten ein abwartendes Vorgehen Beschlossen. Beide Patienten zeigten bis zu den letzten Kontrollen und IVOMs vor einem Monat unverändert stabile Befunde.
Schlussfolgerung/Take-Home-Message: Silikonölbläschen nach intravitrealer Injektion sind selten, aber möglich. Das gehäufte Auftreten kann auf ein technisches Problem (z.B. Spritzen/Charge) hinweisen und erfordert Rückmeldung an die Apotheke bzw. den Hersteller. Management erfordert sorgfältige Differenzialdiagnose, transparente Patientenaufklärung und interdisziplinäres Vorgehen. Ein abwartendes Vorgehen kann bei stabilen Befunden eine sichere Option sein.



