99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
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Postoperative Bulbushypotonie nach Pars-plana-Vitrektomie
Text
Hintergrund: Die postoperative Bulbushypotonie ist eine relevante Komplikation vitreoretinaler Eingriffe und kann insbesondere bei prädisponierten Augen zu strukturellen Veränderungen und einer dauerhaften Visusbeeinträchtigung führen. Ziel dieser Untersuchung war die retrospektive Analyse von Häufigkeit und möglichen Risikofaktoren einer postoperativen Hypotonie nach Silikonölextraktion in einer monozentrischen Kohorte.
Methoden: Untersucht wurden n=31 Patienten nach Silikonölextraktion bei vorausgegangener Pars-plana-Vitrektomie (PPV) und Silikonöltamponade. Analysiert wurden die postoperativen intraokularen Druckwerte (IOD) sowie potenzielle prädisponierende Faktoren. Die Auswertung umfasste unter anderem die zugrunde liegende Diagnose vor initialer Silikonöltamponade und die Abdichtung der Sklerotomien. Eine postoperative Hypotoniewurde als IOD <6 mmHg definiert. Zur Einordnung der Ergebnisse erfolgte ergänzend eine fokussierte Auswertung der aktuellen Literatur zur Hypotonie nach PPV und Silikonölextraktion.
Ergebnisse: Die Kohorte umfasste 7 weibliche und 24 männliche Patienten im Alter von 27 bis 82 Jahren (Median 62). In allen Fällen waren zuvor aufgrund einer rhegmatogenen oder PVR-bedingten Amotio retinae eine PPV und Silikonöltamponade erfolgt. Im Rahmen der Silikonölextraktion war bei einem Patienten keine Sklerotomie nahtpflichtig, bei 7 Patienten wurde eine und bei 23 Patienten wurden zwei oder mehr Sklerotomien mittels Naht verschlossen. Bei 9,7% der Patienten zeigte sich am 2. postoperativen Tag eine Bulbushypotonie. In keinem Fall ergab sich der klinische Hinweis auf das Vorliegen einer Leckage der Sklerainzision. In fast allen Fällen konnte der intraokulare Druck unter lokaler und systemischer Steroidtherapie erfolgreich stabilisiert werden. Ein Patient entwickelte eine persistierende Bulbushypotonie mit Aderhautschwellung.
Schlussfolgerung: In unserer Kohorte zeigte sich am 2. postoperativen Tag nach Silikonölextraktion bei 9,7% der Patienten eine Bulbushypotonie. Dies entspricht annähernd der Größenordnung aktueller Literatur mit berichteten Hypotonieraten von 3,7–7,9%. Klinisch relevant ist, dass eine postoperative Bulbushypotonie nach Silikonölextraktion auch ohne Hinweis auf eine Sklerotomieinsuffizienz auftreten kann. In der vorliegendenKohorte war sie in nahezu allen Fällen unter lokaler und systemischer Steroidtherapie vollständig reversibel. In einem Fall zeigte sich eine persistierende Hypotonie. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer postoperativen IOD-Kontrolle auch bei klinisch suffizient verschlossenen Sklerotomien und zeigen, dass eine passagere Hypotonie nach Silikonölextraktion in der Regel einer konservativen Behandlungzugänglich ist.



