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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Heterogenität in Klinik und Therapie bei Immun-Checkpoint-Inhibitor-assoziierter Arthritis und Myositis

Maria V. Sokolova - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Innere Medizin I, Sektion Rheumatologie, Kiel, Deutschland; Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“, Kiel, Deutschland
Sorwe Mojtahed Poor - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Innere Medizin I, Sektion Rheumatologie, Kiel, Deutschland; Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“, Kiel, Deutschland
Jan Henrik Schirmer - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Innere Medizin I, Sektion Rheumatologie, Kiel, Deutschland; Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“, Kiel, Deutschland
Jan Leipe - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Innere Medizin I, Sektion Rheumatologie, Kiel, Deutschland; Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“, Kiel, Deutschland

Text

Einleitung: Mit dem zunehmenden Einsatz von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) nimmt die Inzidenz behandlungsbedürftiger immunvermittelter Nebenwirkungen (immune-related adverse events, irAE) zu. Gerade angesichts der häufig chronischen und potenziell schwerwiegenden Verläufe besteht für ICI-assoziierte Arthritiden und Myositiden weiterhin ein Bedarf an einem vertieften Verständnis ihrer klinischen Manifestation, des therapeutischen Managements und des Outcomes.

Methoden: In diese retrospektive, monozentrische Analyse wurden 20 Patient:innen mit klinisch und/oder bildmorphologisch gesicherter ICI-assoziierter Arthritis sowie 10 Patient:innen mit unter Einbeziehung erfahrener Rheumatolog:innen gesicherter ICI-assoziierter Myositis eingeschlossen, die zwischen 2023 und 2026 am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein aufgrund eines Malignoms behandelt wurden. Aufgrund der nicht normalen Verteilung der Variablen wurden nichtparametrische Tests verwendet (Mann-Whitney-Test, Spearman-Korrelation, Fisher’s exact Test).

Ergebnisse: Die Patientencharakteristika sind in Tabelle 1 [Tab. 1] zusammengefasst. Pembrolizumab-Monotherapie war in beiden Gruppen die häufigste ICI-Therapie, gefolgt von einer ICI-Kombinationsimmuntherapie; eine Nivolumab-Monotherapie erhielten ausschließlich Patient:innen mit Arthritis. Die ICI-assoziierte Arthritis manifestierte sich später als die Myositis. Arthritis-Verläufe wurden nach Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) als Grad 2 oder 3 klassifiziert, während in der ICI-Myositis-Gruppe überwiegend niedriggradige Verläufe (Grad 1: 80%) bei jeweils einem Fall Grad 3 bzw. 4 vorlagen.

Tabelle 1: Vergleich von Patient:innen mit ICI-Arthritis und Myositis

Innerhalb der Arthritis-Gruppe zeigte sich eine Zweiteilung mit frühem (<20 Wochen; n=10) und spätem (>40 Wochen; n=10) Symptombeginn. Ein späterer Symptombeginn zeigte eine Tendenz zu einer längeren Glukokortikoidtherapiedauer (p=0,06).

Die Charakteristika der ICI-Myositis sind in Tabelle 2 [Tab. 2] dargestellt. Bei 60% war eine asymptomatische CK-Erhöhung das Erstmanifestationszeichen; 8 Patient:innen wiesen eine de-novo-Erkrankung auf, 2 eine Exazerbation eines paraneoplastischen Syndroms. Myalgien waren das häufigste Symptom, Muskelschwäche war eher selten. In 50% der Fälle waren Myositis-spezifische Antikörper nachweisbar. Ein Verdacht auf eine kardiale Mitbeteiligung mit Troponin-Erhöhung fand sich in 30%. Eine Patientin verstarb an einer schweren irAE (Pneumonitis und Myokarditis).

Tabelle 2: Charakteristika der ICI-Myositis-Patient:innen

Trotz höheren Glukokortikoiddosen wurde Glukokortikoidfreiheit bei Myositis tendenziell schneller erreicht als bei Arthritis: 3 (30%) Myositis-Patient:innen waren glukokortikoidfrei nach 6 Monaten versus 2 (10%) bei Arthritis. Die Dauer der ICI-Therapie korrelierte mit der Dauer der Glukokortikoidtherapie (r=0,55; p=0,011). Eine Basistherapie wurde bei Myositis seltener eingesetzt als bei Arthritis (30% vs. 45%).

Schlussfolgerung: In unserer Kohorte zeigen ICI-Arthritis und Myositis Unterschiede in Manifestationszeitpunkt, klinischer Präsentation und Therapiebedarf. Während sich für ICI-Arthritis Hinweise auf unterschiedliche Verlaufsformen in Abhängigkeit vom Symptombeginn ergaben, erwies sich ICI-Myositis als klinisch heterogene Entität, die häufig ohne Muskelschwäche imponierte, jedoch oftmals mit Myalgien und einer CK- und Troponin-Erhöhung einherging. Beide Krankheitsbilder waren mit einem erheblichen und teils prolongierten Glukokortikoidbedarf assoziiert, wobei eine Basistherapie bei Arthritis häufiger eingesetzt wurde als bei Myositis.

Offenlegungserklärung: Die Autoren haben keine Interessenskonflikte.