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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Gyroskopisches Handtraining bei systemischer Sklerose: Auswirkungen auf Griffkraftausdauer, Feinmotorik und Muskelstatus – Ergebnisse der prospektiven Powerarm-Studie

Tim Behnemann - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Karolin Speer - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Niki Niederstadt - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Carolin Prior - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Linnea Bussian - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Ole Lehmbäcker - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Viktor Korendovych - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland
Jan Rademacher - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, Göttingen, Deutschland

Text

Einleitung: Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) und schwerem Raynaud-Syndrom leiden unter einer progredienten Einschränkung der Handfunktion. Gyroskopische Handtrainer (Powerball©) verbessern Griffkraft und Feinmotorik in der Sportmedizin [1], systematische Daten bei SSc fehlen jedoch. Ziel der Powerarm-Studie ist die Evaluation der Wirksamkeit und Sicherheit eines standardisierten Powerball-Trainings zusätzlich zur leitliniengerechten Iloprost-Therapie [2].

Methoden: In dieser monozentrischen, randomisierten Crossover-Sportinterventionsstudie wurden SSc-Patienten mit schwerem Raynaud-Syndrom in zwei Gruppen randomisiert: Gruppe A erhielt ab Tag 0 Iloprost plus Powerball-Training, Gruppe B zunächst nur Iloprost und ab Tag 35 zusätzlich Powerball. Der primäre Endpunkt war die Griffkraftausdauer (Fatigue Test, 20s, Dynamometer). Sekundäre Endpunkte umfassten 9-Hole-Peg-Test, Unterarmumfang, Griffkraft-Variationskoeffizient (COV), HAQ, Cochin und Sollerman. Messungen erfolgten an Tag 0 (ZP0), 35 (ZP1) und 70 (ZP2). Between-Group-Analysen wurden mittels Mann-Whitney-U-test durchgeführt, zudem wird eine Matched-Pair-Analyse (Wilcoxon-Test) in der finalen Auswertung angestrebt.

Ergebnisse: 22 Patient:innen (82% weiblich, medianes Alter 59 Jahre, medianer mRSS 18,5) wurden eingeschlossen und randomisiert (Gruppe A: n=11, Gruppe B: n=11). Die Gruppen waren zu Baseline in allen Endpunkten vergleichbar (alle p>0,28). Zum Zeitpunkt der Interimsanalyse lagen ZP2-Daten von 6–7 (Gruppe A) bzw. 5–6 (Gruppe B) Patienten vor. Primärer Endpunkt: Die Griffkraftausdauer zeigte im Gesamtverlauf einen numerischen Trend zugunsten Gruppe A (+30,4 vs. −9,7; p=0,18), ohne statistische Signifikanz bei der aktuellen Fallzahl. Sekundäre Endpunkte: Der 9-Hole-Peg-Test verbesserte sich in Gruppe B unter alleiniger Iloprost-Therapie signifikant (−2,7 s; p=0,036; 7/9 schneller). Der Unterarmumfang nahm in Gruppe B signifikant zu (ZP0→ZP1: +0,54 cm, p=0,014, 7/8 Patienten; ZP0→ZP2: +0,44 cm, p<0,001, 5/5 Patienten). Der Griffkraft-COV unterschied sich signifikant zwischen den Gruppen: In Gruppe A sank die Variabilität, in Gruppe B stieg sie (p=0,019). HAQ, Cochin und Sollerman zeigten keine signifikanten Veränderungen.

Schlussfolgerung: Der primäre Endpunkt (Griffkraftausdauer) zeigt in der Interimsanalyse einen numerischen Trend zugunsten der Trainingsgruppe, der bei aktuell noch unzureichender Fallzahl keine statistische Signifikanz erreicht. Unter den sekundären Endpunkten fällt die signifikante Reduktion des Griffkraft-Variationskoeffizienten in der Trainingsgruppe auf, die auf eine verbesserte neuromuskuläre Kontrolle hindeutet. Die Verbesserung der Feinmotorik (9-Hole-Peg-Test) bereits unter alleiniger Iloprost-Therapie ist ein bislang wenig beachteter funktioneller Benefit der Standardtherapie und verdient weitere Untersuchung. Das gyroskopische Handtraining erweist sich als sicher, gut toleriert und im häuslichen Umfeld durchführbar. Die vollständige Auswertung nach Abschluss der Rekrutierung wird zeigen, ob sich der beobachtete Trend beim primären Endpunkt bestätigt.

Offenlegungserklärung: Es bestehen keine Interessenskonflikte.

Tabelle 1 [Tab. 1]

Tabelle 1: Baseline-Charakteristika der Studienpopulation

Tabelle 2 [Tab. 2]

Tabelle 2: Funktionelle Endpunkte über drei Messzeitpunkte nach Gruppe


Literatur

[1] Balan SA, Garcia-Elias M. Utility of the Powerball in the invigoration of the musculature of the forearm. Hand Surg. 2008;13(2):79-83. DOI: 10.1142/S0218810408003955
[2] Del Galdo F, Lescoat A, Conaghan PG, Bertoldo E, Čolić J, Santiago T, Suliman YA, Matucci-Cerinic M, Gabrielli A, Distler O, Hoffmann-Vold AM, Castellví I, Balbir-Gurman A, Vonk M, Ananyeva L, Rednic S, Tarasova A, Ostojic P, Boyadzhieva V, El Aoufy K, Farrington S, Galetti I, Denton CP, Kowal-Bielecka O, Mueller-Ladner U, Allanore Y. EULAR recommendations for the treatment of systemic sclerosis: 2023 update. Ann Rheum Dis. 2025 Jan;84(1):29-40. DOI: 10.1136/ard-2024-226430