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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Prävalenz der Sjögren Erkrankung und undifferenzierten Kollagenose bei vaginaler Trockenheit prämenopausaler Frauen

Anna Charlotte Müller-Vahl - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland
Nadine Zehrfeld - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland
Malin Abelmann - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Kardiologie und Angiologie, Hannover, Deutschland
Sabrina Benz - Ludwig-Maximilians-Universität, Department Psychologie, München, Deutschland
Torsten Witte - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland
Rüdiger Klapdor - Albertinen Krankenhaus Hamburg, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Hamburg, Deutschland
Diana Ernst - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland

Text

Einleitung: Die Sjögren Erkrankung (SjD) ist die häufigste Kollagenose und zeichnet sich in erster Linie durch Xerophthalmie und Xerostomie aus, die auf die autoimmune Zerstörung exokriner Drüsen zurückzuführen ist. SjD tritt deutlich häufiger bei Frauen auf, wobei etwa 70% der Patientinnen auch unter vaginaler Trockenheit leiden. Umgekehrt liegen keine Daten darüber vor, wie viele Frauen mit vaginaler Trockenheit ursächlich an SjD leiden. Ziel unserer Studie ist es, die Prävalenz von SjD bei prämenopausalen Frauen mit vaginaler Trockenheit zu ermitteln und klinische Unterschiede zwischen Patientinnen mit und ohne SjD festzustellen.

Methoden: In dieser multizentrischen, prospektiven Studie wurden 10.000 Frauen in vier gynäkologischen Praxen (02/2023–10/2024) im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung erfasst. Prämenopausale Frauen ohne bekannte rheumatische Erkrankungen wurden auf subjektive und objektive vaginale Trockenheit untersucht. Zur Feststellung der objektiven vaginalen Trockenheit wurde der pH-Wert, die vaginale Elastizität, die Feuchtigkeit, das Vaginalepithel und das Vaginalsekret anhand des Vaginal Health Index (VHI) bewertet.

Patientinnen mit Auffälligkeiten wurden zur rheumatologischen Untersuchung weitergeleitet. Diese erfolgte mittels Saxon/Schirmer-Test, Speicheldrüsensonographie (OMERACT-Score), rheumatologischem Basis-Labor sowie standardisierten Fragebögen, unter anderem dem Female Sexual Function Index (FSFI). Zudem untersuchen wir altersgematchte Probandinnen ohne vaginale Trockenheit mit demselben Basisuntersuchungs-Protokoll, um Unterschiede zwischen Frauen mit und ohne vaginaler Trockenheit herausstellen zu können. Die endgültigen Ergebnisse werden auf dem RhK vorgestellt.

Ergebnisse: Von den 10.000 Frauen mit einem Medianalter von 33,7 Jahren wiesen nur 98 (1,0%) im Medianalter von 37,0 Jahren eine objektivierbare vaginale Trockenheit auf. 74 (75,5%) stimmten einer rheumatologischen Untersuchung zu.

Bei 2 von 74 Patientinnen (2,7%) wurde die Diagnose SjD bestätigt. Die erste Patientin wies unter Prednisolon-Therapie eine objektive Xerostomie, eine grenzwertige Xerophthalmie, eine Chisholm- und Mason-Lippenspeicheldrüsenbiopsie des Grades 2, einen stark positiven ANA-Befund (1:5.120) und eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie eine aktive autoimmune Hepatitis auf. Der ESSDAI lag initial bei null, der ESSPRI bei drei. Die zweite Patientin wies positive SSA/Ro-Antikörper, eine Leukozytopenie und subjektive Xerostomie auf, die jedoch zunächst nicht objektiv bestätigt werden konnten. Der ESSPRI betrug eins, der ESSDAI drei. Der VHI bestätigte eine vulvovaginale Atrophie.

Zudem konnte bei 5 von 74 (6,8%) Patientinnen eine undifferenzierte Kollagenose diagnostiziert werden, wobei aktuell weitere Untersuchungen, beispielsweise Lippenspeicheldrüsenbiopsien, differenzialdiagnostisch durchgeführt werden. Insgesamt wurde damit bei 7 von 74 (9,5%) Frauen mit vaginaler Trockenheit eine Kollagenose diagnostiziert. Darüber hinaus besteht bei weiteren 13 von 74 Patientinnen (17,6%) der Verdacht auf eine Kollagenose. Bei allen überwiesenen Frauen mit vaginaler Trockenheit war eine hohe Prävalenz von Arthralgie (60,3%), Myalgie (28,8%), Parästhesie (50,7%), Fatigue (54,8%) und Raynaud-Syndrom (27,4%) festzustellen. Tabelle 1 [Tab. 1] veranschaulicht die vorliegenden Befunde.

Tabelle 1: Charakterisierung der Patientinnen mit vaginaler Trockenheit

Schlussfolgerung: Eine vaginale Trockenheit ist in unserer Kohorte von prämenopausalen Frauen selten. Es konnten zwar nur zwei Fälle einer SjD diagnostiziert werden, doch bei fast jeder vierten prämenopausalen Frau mit vaginaler Trockenheit, die nicht anders gynäkologisch zu erklären war (beispielsweise durch Infekte, Hormontherapie, oder ähnliches) wurde mindestens der Verdacht auf eine Kollagenose erhoben. Einige Lippenspeicheldrüsenbiopsien stehen noch aus, sodass bei weiteren Patientinnen mit noch undifferenzierter Kollagenose ein SjD diagnostiziert werden könnte. Da die Patientinnen noch sehr jung sind, kann auch davon ausgegangen werden, dass die Augen- und Mundtrockenheit noch nicht so stark ausgeprägt sind. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse scheint eine rheumatologische Untersuchung bei prämenopausalen Frauen mit vaginaler Trockenheit, die nicht ursächlich gynäkologisch erklärt werden kann, sinnvoll zu sein.

Offenlegungserklärung: Anna Charlotte Müller-Vahl: keine

Nadine Zehrfeld: erhielt Forschungszuschüsse von Novartis und finanzielle Unterstützung für eine Konferenzteilnahme von Abbvie

Malin Abelmann: keine

Sabrina Benz: keine

Torsten Witte: erhielt Honorare für Vorträge von Abbvie, Amgen, argenX, BMS, Chugai, Galapagos, Janssen, Lilly, Novartis, Pfizer, UCB und Roche. Torsten Witte wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Exzellenzstrategie – EXC 2155 – Projektnummer 390874280 gefördert

Rüdiger Klapdor: keine

Diana Ernst: erhielt Vortragshonorare von Abbvie, Amgen, BMS, Chugai, Cilag- Janssen, Galapagos, GSK, Medac, Lilly, Pfizer, Novartis und Roche. Diana Ernst war Mitglied in Beratungsgremien für Abbvie, Galapagos, Amgen und Novartis. Diana Ernst erhielt Forschungszuschüsse von Novartis und Abbvie


Literatur

[1] Minopoulou I, Pyrgidis N, Tishukov M, Sokolakis I, Baniotopoulos P, Kefas A, Doumas M, Hatzichristodoulou G, Dimitroulas T. Sexual dysfunction in women with systemic autoimmune rheumatic disorders: a systematic review and meta-analysis. Rheumatology (Oxford). 2023 Mar 1;62(3):1021-1030. DOI: 10.1093/rheumatology/keac457