Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Interstitielle Lungenerkrankung bei Rheumatoider Arthritis: Ein einjähriger retrospektiver Vergleich seropositiver und seronegativer Patientinnen und Patienten
Text
Einleitung: Die interstitielle Lungenerkrankung (ILE) ist eine bedeutende pulmonale Komplikation der rheumatoiden Arthritis (RA) und geht mit erhöhter Morbidität und Mortalität einher. Die gepoolte Prävalenz der RA-ILE wird in der Literatur mit ca. 18,7% angegeben. Die Seropositivität – definiert durch den Nachweis von Rheumafaktor (RF) und/oder Antikörpern gegen citrullinierte Proteine (ACPA) – gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer RA-ILE; eine große koreanische Kohortenstudie (n = 52 325) dokumentierte ein adjustiertes Hazard Ratio (aHR) von 9,00 für seropositive und 4,81 für seronegative RA-Patientinnen und -Patienten. Ziel dieser Studie war es, Prävalenz, radiologisches Muster und Therapieprofil der ILE bei seropositiven und seronegativen RA-Patientinnen und -Patienten in einem polnischen Referenzzentrum zu vergleichen.
Methoden: Retrospektive Analyse von Daten, die im Jahr 2025 an den Rheumakliniken und der Rheumatologischen Ambulanz des NIGRiR in Warschau erhoben wurden. Es wurden zwei Kohorten analysiert: seropositive RA (n = 417) und seronegative RA (n = 259). Die ILE wurde durch eine dokumentierte Diagnose oder die Identifikation eines Subtyps definiert (UIP, NSIP, OP, LIP, DIP, „indeterminate for UIP" oder anderer Subtyp). Die Bildgebung wurde als HR-CT (hochauflösende Computertomographie), konventionelles Röntgen-Thorax oder keine Bildgebung klassifiziert. Für kategoriale Variablen wurden der Chi-Quadrat-Test bzw. der exakte Fisher-Test verwendet; für kontinuierliche Variablen der Mann-Whitney-U-Test (Signifikanzniveau p < 0,05).
Ergebnisse: Insgesamt wurden 676 RA-Patientinnen und -Patienten analysiert (Tabelle 1 [Tab. 1]). Eine ILE lag bei 22 seropositiven (5,3%) und 14 seronegativen (5,4%) Patientinnen und Patienten vor (p = 0,94). Obwohl der RF in der seropositiven Gruppe signifikant höher war (Median 43,3 vs. 10,0 IU/ml; p = 0,017), unterschied sich die ILE-Prävalenz nicht. Seropositive Patientinnen und Patienten waren älter (Median 66 vs. 61 Jahre; p < 0,001) und häufiger weiblich (86,6% vs. 80,3%; p = 0,025). Ein HR-CT wurde bei lediglich 19% aller Patientinnen und Patienten durchgeführt, jedoch bei 72,7% der ILE-Fälle in der seropositiven und bei 100% der ILE-Fälle in der seronegativen Gruppe. Es wurden keine Unterschiede in der medikamentösen Therapie festgestellt. Die UIP (Usual Interstitial Pneumonia) war in beiden Gruppen der häufigste ILE-Subtyp (Tabelle 2 [Tab. 2]).
Tabelle 1: Patientencharakteristika und ILE-Prävalenz
Tabelle 2: ILE-Subtypen nach Gruppe
Schlussfolgerung: Die ILE-Prävalenz war bei seropositiven und seronegativen Patientinnen und Patienten vergleichbar (5,3% vs. 5,4%; p = 0,94), trotz signifikant höherer Serologieparameter in der seropositiven Gruppe. Die beobachtete Rate liegt deutlich unter der in der Metaanalyse von Huang et al. ermittelten gepoolten Prävalenz von 18,7%, was wahrscheinlich auf den eingeschränkten HR-CT-Einsatz zurückzuführen ist – lediglich 19% der Patientinnen und Patienten erhielten eine Schnittbilddiagnostik. Im Gegensatz zur Studie von Kang et al., die ein deutlich höheres ILE-Risiko bei seropositiver RA nachwies (aHR 9,00 vs. 4,81), zeigte sich in unserem prävalenzbasierten Querschnitt kein entsprechender Unterschied – ein Befund, der am ehesten durch unvollständiges Screening erklärbar ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines systematischen HR-CT-basierten ILE-Screenings bei allen RA-Patientinnen und -Patienten, unabhängig vom serologischen Status.
Abkürzungen: ILE – interstitielle Lungenerkrankung; RA – rheumatoide Arthritis; UIP – Usual Interstitial Pneumonia; NSIP – nichtspezifische interstitielle Pneumonie; OP – organisierende Pneumonie; LIP – lymphoide interstitielle Pneumonie; DIP – desquamative interstitielle Pneumonie; HR-CT – hochauflösende Computertomographie; RF – Rheumafaktor; ACPA – Antikörper gegen citrullinierte Proteine; csDMARD – konventionelle synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika; n.s. – nicht signifikant; IQR – Interquartilabstand.
Offenlegungserklärung: Die Autorinnen und der Autor erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen, die für diese Studie relevant sind.
Literatur
[1] Kim BG, Lee H, Eun Y, Han K, Jung JH, Choi H, Kim H, Shin DW. Association between rheumatoid arthritis and interstitial lung disease and impact of serologic status: a large-scale longitudinal study. Sci Rep. 2025 Feb 10;15(1):4885. DOI: 10.1038/s41598-025-88323-7[2] Prasanna H, Inderjeeth CA, Nossent JC, Almutairi KB. The global prevalence of interstitial lung disease in patients with rheumatoid arthritis: a systematic review and meta-analysis. Rheumatol Int. 2025 Jan 18;45(2):34. DOI: 10.1007/s00296-025-05789-4



