Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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TeleRheuma-Plus und RheumaPlus-Präzision
Text
Einleitung: Die frühzeitige Diagnose und leitliniengerechte Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen ist angesichts des ausgeprägten Mangels an Rheumatologinnen und Rheumatologen, insbesondere in ländlichen Regionen, erheblich erschwert [1]. Aufbauend auf dem Rheuma-VOR-Netzwerk in Rheinland-Pfalz wird der Ansatz der multi- und interdisziplinären Zusammenarbeit im Zuge von TeleRheuma-Plus und RheumaPlus-Präzision weiterentwickelt [2].
Methoden: Die bestehende sektorenübergreifende Kooperation zwischen hausärztlichen Praxen sowie dem Koordinationszentrum und der rheumatologischen Ambulanz an der Universitätsmedizin Mainz wird systematisch ausgebaut. Das zentrale Novum von TeleRheuma-Plus ist die Integration strukturierter, synchroner Videosprechstunden in diese etablierten Prozesse. Die hausärztliche Praxis fungiert weiterhin als primäre Anlaufstelle, führt Anamnese und klinische Untersuchung durch und berücksichtigt die individuelle Lebenssituation der Patientinnen und Patienten. Die rheumatologische Expertise wird per Video zugeschaltet und unterstützt Diagnosestellung sowie Therapieentscheidungen in Echtzeit. Dadurch wird eine zeitnahe, fachärztlich abgesicherte Versorgung unmittelbar in der hausärztlichen Praxis ermöglicht. Der Einschluss in TeleRheuma-Plus erfolgt vom 1. November 2025 bis 31. März 2027; das Follow-up endet am 31. März 2028. Untersucht werden rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis und axiale Spondyloarthritis. Erkrankungsspezifische Laborparameter, Krankheitsaktivität sowie Patient-Reported Outcomes werden bei Diagnosestellung sowie nach 3, 6 und 12 Monaten erhoben. Primärer wissenschaftlicher Fokus ist der Vergleich zwischen ambulant an der Universitätsmedizin Mainz behandelten Patientinnen und Patienten und den telemedizinisch betreuten Fällen. RheumaPlus-Präzision ergänzt das Versorgungskonzept durch RNA-Sequenzierung zur Identifikation potenzieller Prädiktoren einer optimierten Ersttherapie, auch bei Kollagensoen und Vaskulitiden. Ergänzend wird eine Rheuma-Bus-Tour als Informations- und niedrigschwelliges Versorgungsangebot durchgeführt.
Ergebnisse: Zwischen November 2025 und Februar 2028 wurden über 200 Verdachtsdiagnosen an das Koordinationszentrum übermittelt. Fünf allgemeinmedizinische Praxen absolvierten eine strukturierte dreitägige Schulung und beteiligen sich an TeleRheuma-Plus. Aktuell werden ca. 35 Patient:innen telemedizinisch betreut; ca. 40 wurden bislang prospektiv eingeschlossen.
Schlussfolgerung: Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass die Integration strukturierter Videosprechstunden in standardisierte Versorgungsprozesse eine koordinierte, wohnortnahe und patientenzentrierte Betreuung ermöglicht und eine hohe Akzeptanz erfährt. Die Studienabläufe beider Versorgungsarme sind etabliert, sodass erste vergleichende Ergebnisse präsentiert werden können.
Offenlegungserklärung: TeleRheuma-Plus und RheumaPlus-Präzision werden durch das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz gefördert.
Literatur
[1] Braun J, Albrecht K, Callhoff J, Haase I, Krause A, Lakomek HJ, Meyer-Olson D, Schmale-Grede R, Wagner U, Zeidler J, Zinke S, Voormann A, Specker C; die Kommission Versorgung der DGRh. Rheumatologische Versorgung in Deutschland : Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie 2024 [Rheumatological care in Germany : Memorandum of the German Society for Rheumatology and Clinical Immunology 2024]. Z Rheumatol. 2024 Aug;83(Suppl 2):249-284. German. DOI: 10.1007/s00393-024-01539-2[2] Dreher M, Witte T, Hoeper K, Assmann G, Proft F, Poddubnyy D, Murawski N, Triantafyllias K, Grodd M, Graf E, Fichtner UA, Binder H, Zeidler J, Hoeper JR, Callhoff J, Karberg K, Trautwein A, Tibyampansha D, Wojnowski L, Schmidt RE, Schwarting A. Rheuma-VOR study: optimising healthcare of rheumatic diseases by multiprofessional coordinating centres. Ann Rheum Dis. 2024 Jan 11;83(2):184-193. DOI: 10.1136/ard-2023-224205



