Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Vermeidbare Krankenhausbehandlungen bei entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen: Eine retrospektive Analyse von 156 Notaufnahmekontakten
Text
Einleitung: Schwere Schübe von entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen (IRD) können, besonders bei unzureichender ambulanter Versorgung, zu Vorstellungen in der Notaufnahme führen. Darüber hinaus haben Patient:innen mit IRD ein hohes Risiko für Komorbiditäten und Komplikationen (z.B. Infekte) die initial oft nicht von Schüben der IRD unterschieden werden können. Wenig ist über Patient:innen mit IRD die sich notfallmäßig im Krankenhaus vorstellen bekannt.
Methoden: Wir führten eine retrospektive Kohortenstudie von Patient:innen (n=156) in der Notaufnahme mit Verdacht auf Schub einer bekannten IRD durch. Es wurden diverse klinische Parameter analysiert. Basierend auf diesen Parametern entwickelten einen Algorithmus, um Patient:innen zu identifizieren die einen Schub Ihrer Grunderkrankung hatten und zum Zeitpunkt der Vorstellung schwer krank waren - deren Vorstellungen dennoch potenziell vermeidbar gewesen wäre (schwerer potenziell-vermeidbarer Schub).
Ergebnisse: Die häufigsten vorbekannten IRD waren Rheumatoide Arthritis (26%), Riesenzellarteriitis (10%), Kleingefäßvaskulitiden (9%) und Psoriasisarthritis (9,0%). Die Mehrzahl der Patient:innen (47%) suchte die Notaufnahme auf eigene Initiative auf. Lediglich 10% der Patient:innen wurden rheumatologisch eingewiesen.
Arthritis (31,4%) war der häufigste Vorstellungsgrund, aber Patient:innen präsentierten sich mit einer Vielzahl diverser Symptome (Abbildung 1 [Abb. 1]). Zum Zeitpunkt der Vorstellung in der Notaufnahme wurden 50% der Patient:innen mit Corticosteroiden behandelt.
Abbildung 1: Symptome bei Vorstellung in der Notaufnahme. Red. AZ: Reduzierter Allgemeinzustand
Eine stationäre Aufnahme erfolgte bei 58% der Patient:innen. Aktivität der vorbekannten rheumatischen Grunderkrankungen (Schub) stellte sich in 62% der Fälle als führendes Problem heraus. Bei der Mehrzahl der Patient:innen bestanden die Symptome bereits seit mehreren Wochen (35%) oder Monaten (20%) und Vorstellungen erfolgten meist fußläufig (58%) und tagsüber (80%).
Unser Algorithmus identifizierte 31% aller Schübe als potenziell-vermeidbarer und schwer (Abbildung 2 [Abb. 2]). Nach manueller Kontrolle bestätigte sich dies in 58% der Fälle. Somit identifizierten wir 18% aller Schübe in der Notaufnahme als vermeidbarer und schwer. Bei 39% dieser Patient:innen wurde fehlende rheumatologische Anbindung als primäres Problem festgestellt.
Abbildung 2: Potenziell vermeidbare Vorstellungen. IRD: Entzündlich-rheumatische Systemerkrankungen. Pat.: Patient:innen.
Schlussfolgerung: Unsere retrospektive Kohortenstudie gibt einen Überblick über Symptomatik, Diagnosen und Hintergründe von Patient:innen mit bekannter IRD in der Notaufnahme.
Bei 18% der Patient:innen mit schwerem Schub wäre die notfallmäßige Vorstellung vermeidbar gewesen. Fehlende rheumatologische Anbindung war hier das größte Problem.
Offenlegungserklärung: Die Autor:innen haben keine Interessenskonflikte hinsichtlich der Inhalte des Abstracts.



