38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
Pädiatrische Rhegmatogene Netzhautablösung Unterschiedlicher Ätiologie: Funktionelle, Anatomische und Morphologische Befunde
Text
Ziel: Untersuchung der funktionellen, anatomischen und morphologischen Langzeitergebnisse bei pädiatrischer rhegmatogener Netzhautablösung (PRNA) unterschiedlicher Ätiologie.
Methode: Die retrospektive, konsekutive Fallserienstudie umfasste pädiatrische Patienten < 18 Jahre mit PRNA unterschiedlicher Ätiologie, die in der Zeit von Januar 2004 bis September 2025 operiert und postoperativ mindestens 6 Monate nachbeobachtet worden sind. Die notwendigen chirurgischen Eingriffe wurden in einer Klinik und von einem Chirurgen (IA) durchgeführt. Bei allen Patienten wurde sklerale Indentationen (SI) und bei erforderlichen Fällen zusätzlich Kryopexie, Laserphotokoagulation, Pars-plana-Vitrektomie (PPV), Schwefelhexafluorid oder Silikonöl als intraokulare Tamponade durchgeführt. Die chirurgischen Resultate wurden hinsichtlich der funktionellen Ergebnisse mit der bestkorrigierten Sehschärfe (BKS) sowie der anatomischen und morphologischen Ergebnisse mittels optischer Kohärenztomographie (OKT) bewertet.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 103 Augen von 94 Patienten mit PRNA unterschiedlicher Ätiologie in die Studie aufgenommen. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 9,6 Jahre (2–17,8 Jahre), die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit 16,3 Jahre (1–21 Jahre), 67%/ 33% waren männlich/weiblich. Bei 9,6% der Patienten lag eine beidseitige PRNA vor. Die Ursachen für die PRNA waren angeborene und entwicklungsbedingte Anomalien (Loeys-Dietz-Syndrom, FEVR, Marfan-Syndrom, X-chromosomale Retinoschisis, Stickler-Syndrom, Coats-Disease, PFV) (38,8%), hochgradige Myopie (23,6%), Trauma (20,4%) und Ablatio als Spätfolge der Frühgeborenen-Retinopathie (17,2%). Die primäre anatomische Erfolgsrate nach SI oder SI+PPV betrug 72,6%. Die endgültige anatomische Erfolgsrate nach zusätzlicher PPV+Silikonöl betrug 94,1%. Proliferative Vitreoretinopathie (PVR) Grad ≥ C2 PVR, Makulaablösung und 4-Quadranten- PRNA waren mit einer erneuten Ablatio assoziiert (p = 0,03 bzw. p = 0,02). Postoperativ benötigten 12,7% der Patienten eine Kataraktoperation mit Implantation einer Intraokularlinse. Die mittlere präoperative BKS betrug LogMAR 1,6 ± 0,8 und die mittlere postoperative BKS betrug LogMAR 0,6 ± 3,2 (p = 0,03). Die OKT-Analyse ergab eine verbesserte Sehschärfe mit zunehmender Dicke der äußeren Körnerschicht (p = 0,03) und eine schlechtere Sehschärfe bei Vorliegen hyperreflektiver Areale (p = 0,02) in der postoperativen Nachuntersuchung.
Schlussfolgerung: Angeborene/entwicklungsbedingte Anomalien können im Kindesalter zu einer PRNA führen. Die SI spielt eine wichtige Rolle bei der Primärbehandlung der PRNA bei Kindern. Bei PRNA-Fällen im fortgeschrittenen Stadium können mehrere chirurgische Eingriffe erforderlich sein, die jedoch zu guten funktionellen und anatomischen Ergebnissen beitragen können. OKT-Merkmale können in der postoperativen Nachsorge nützliche Prädiktoren für funktionelle Ergebnisse sein.



