38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
Einfluss der Anästhesiemethode auf patientenberichtete Ergebnisse und Zufriedenheit nach intravitrealen Injektionen: Eine vergleichende Studie von Anästhesiegel vs. topischen Tropfen
Text
Ziel: Die intravitreale operative Medikamentengabe (IVOM) ist einer der häufigsten Eingriffe in der Augenheilkunde. Die Patientenerfahrung, insbesondere das Schmerzempfinden, ist entscheidend für die Therapieadhärenz und Verbesserung des klinischen Outcomes. In dieser Studie wurden patientenberichtete Beschwerden im Rahmen eines Umstellungsprozesses der analgetischen Vorbereitung auf IVOM von einem Gel-haltigen Protokoll auf ein einfaches Tropfenprotokoll untersucht.
Methode: In dieser retrospektiven, vergleichenden Fragebogenstudie wurden zwei Kohorten von Patienten analysiert, die IVOM erhielten: Gruppe 1 (Jahr 2022, n=761) erhielt IVOM nach Vorbereitung mit topischem Anästhesiegel. Gruppe 2 (Jahr 2025, n=413) erhielt IVOM ausschließlich nach Vorbereitung mit topischen Anästhesietropfen. Ein standardisierter Fragebogen wurde eingesetzt, um prozedurale Schmerzen und post-prozedurale Symptome (z.B. Fremdkörpergefühl, Wahrnehmung von Luftblasen, Rötung) und die Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten des Besuchs zu erfassen. Kategoriale Ergebnisse zwischen den Gruppen wurden mittels Chi-Quadrat-Test verglichen. Beide Gruppen waren hinsichtlich Alter (p=0,191), Geschlecht (p=0,299) und Anzahl vorheriger Injektionen (p=0,51) vergleichbar.
Ergebnis: Die Patientenkohorte, die ausschließlich Tropfen (2025) erhielt, berichtete signifikant höhere Injektionsschmerzen als die Gel-Kohorte (2022) (27% Tropfen vs. 10% Gel, p<0,001). Ebenso berichteten Patienten nach Vorbereitung mit Tropfen deutlich häufiger visuelle Störungen durch Luftblasen (39% vs. 15%, p<0,001).Dafür berichteten die Patienten nach Vorbereitung mit Tropfen (2025) signifikant niedrigere Raten von Fremdkörpergefühl (18% vs. 6%, p<0,001), Juckreiz (12% vs. 4%, p<0,001) und Rötung (11% vs. 6%, p=0,016) an dem postinterventionellen Tag. Trotz des Anstiegs prozeduraler Schmerzen zeigte die Kohorte 2025 (Tropfen) eine signifikant höhere Zufriedenheit in nahezu allen Bereichen, einschließlich Gesamtzufriedenheit, Organisation, Atmosphäre im Wartebereich und wahrgenommener medizinischer Qualität (alle p<0,001). Es gab keine signifikanten Unterschiede bei schweren Schmerzen oder ungeplanten Nachsorgeterminen.
Schlussfolgerung: Der Verzicht auf Anästhesiegel zugunsten einfacher Tropfen bei der Vorbereitung für IVOM führt zu einem signifikanten Anstieg der patientenberichteten prozeduralen Schmerzen. Gleichzeitig werden häufige Reizsymptome wie Fremdkörpergefühl und Juckreiz am Tag nach der Injektion deutlich reduziert. Die höhere Gesamtzufriedenheit der Tropfen-Kohorte trotz vermehrter Injektionsschmerzen deutet darauf hin, dass Patienten die Vermeidung langanhaltender postinterventioneller Reizsymptome (wie Juckreiz) stärker gewichten als einen kurzen prozeduralen Schmerz. Zudem könnten durch das Tropfenprotokoll optimierte Praxisabläufe (z. B. verkürzte Wartezeiten) maßgeblich zur positiven Wahrnehmung der Patienten beigetragen haben. Eine weitere Optimierung der lokalen Analgesie bei Injektion bleibt dennoch entscheidend, um das Outcome weiter zu verbessern.



