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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler
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Meeting Abstract

Stellenwert der GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT-2-Inhibitoren in der Behandlung des Diabetes mellitus

Jochen Seufert - Freiburg i. Br.

Text

Einleitung: Die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Während früher vor allem die Blutzuckersenkung im Vordergrund stand, zielen moderne Therapiekonzepte zusätzlich auf die Vermeidung kardiovaskulärer und renaler, sowie weiterer mikrovaskulärer Komplikationen sowie auf eine Gewichtsreduktion ab. Besonders bedeutsam sind hierbei die GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und die SGLT-2-Inhibitoren, die inzwischen einen festen Stellenwert in den nationalen und internationalen Leitlinien besitzen.

GLP-1-Rezeptoragonisten:

Wirkmechanismus

GLP-1-Rezeptoragonisten imitieren die Wirkung des körpereigenen Inkretinhormons GLP-1. Sie bewirken:

  • glucoseabhängige Steigerung der Insulinsekretion,
  • Hemmung der Glukagonfreisetzung,
  • Verzögerung der Magenentleerung,
  • Förderung des Sättigungsgefühls und dadurch Gewichtsreduktion.

Beispiele

  • Semaglutid
  • Liraglutid
  • Dulaglutid
  • Exenatid

Vorteile

    • effektive Senkung des HbA1c-Wertes,
    • deutliche Gewichtsabnahme,
    • geringes Risiko für Hypoglykämien,
    • nachgewiesene Reduktion schwerer kardiovaskulärer und renaler Ereignisse bei Hochrisikopatienten.

Nebenwirkungen

  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Durchfall,
  • überwiegend subkutane Applikation (Ausnahme: orales Semaglutid).

Stellenwert

GLP-1-Rezeptoragonisten werden besonders empfohlen bei:

  • Typ-2-Diabetes mit Adipositas,
  • bestehender atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung,
  • hohem kardiovaskulärem Risiko,
  • Bedarf an starker HbA1c-Senkung bei geringem Hypoglykämierisiko.

SGLT-2-Inhibitoren:

Wirkmechanismus

SGLT-2-Inhibitoren hemmen den Natrium-Glucose-Cotransporter 2 in den proximalen Nierentubuli. Dadurch wird die Rückresorption von Glucose vermindert und Glucose vermehrt über den Urin ausgeschieden.

Beispiele

  • Empagliflozin
  • Dapagliflozin
  • Ertugliflozin

Vorteile

  • Senkung des HbA1c,
  • Gewichtsabnahme,
  • Blutdrucksenkung,
  • geringes Hypoglykämierisiko,
  • Reduktion von Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz,
  • nephroprotektive Wirkung und Verlangsamung der Progression chronischer Nierenerkrankungen,
  • Senkung der kardiovaskulären Mortalität.

Nebenwirkungen

  • Genitalmykosen und Harnwegsinfektionen,
  • selten euglykämische Ketoazidose,

Stellenwert

SGLT-2-Inhibitoren sind besonders angezeigt bei:

  • Typ-2-Diabetes mit Herzinsuffizienz,
  • chronischer Niereninsuffizienz,
  • hohem kardiovaskulärem Risiko,
  • Patienten mit Übergewicht.

Aktuelle Bedeutung in den Leitlinien:

Nach den Empfehlungen der American Diabetes Association und der European Association for the Study of Diabetes richtet sich die Auswahl der Therapie nicht mehr ausschließlich nach dem HbA1c-Wert. Vielmehr stehen Begleiterkrankungen im Vordergrund:

Tabelle 1 [Tab. 1]

Tabelle 1

Metformin bleibt zwar häufig Erstlinientherapie, jedoch können GLP-1-Rezeptoragonisten oder SGLT-2-Inhibitoren bei entsprechender Indikation auch frühzeitig oder unabhängig von Metformin eingesetzt werden.

Fazit:

GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT-2-Inhibitoren haben die Behandlung des Typ-2-Diabetes grundlegend verändert. Ihr Nutzen geht weit über die reine Blutzuckersenkung hinaus. GLP-1-Rezeptoragonisten sind insbesondere bei adipösen Patienten und zur Prävention atherosklerotischer Ereignisse von großer Bedeutung, während SGLT-2-Inhibitoren vor allem bei Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung einen herausragenden Stellenwert besitzen. Die moderne Diabetestherapie orientiert sich daher zunehmend an den individuellen Begleiterkrankungen und dem kardiovaskulären beziehungsweise renalen Risiko des Patienten.