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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
IPD-Meta-Analysen randomisierter Studien: Stand der Evidenzsynthese und blinde Flecken bei gesundheitlicher Chancengleichheit
Text
Hintergrund: Individual Participant Data Meta-Analysen (IPD-MA) führen Rohdaten einzelner Teilnehmender aus mehreren Studien zusammen, harmonisieren und analysieren diese. Sie ermöglichen präzisere Effektschätzungen sowie differenzierte Subgruppen- und Interaktionsanalysen und sind damit besonders relevant für eine evidenzbasierte, gerechte Gesundheitsversorgung.
Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wurden die Entwicklung und Charakteristika von IPD-MA randomisierter kontrollierter Studien (RCTs), insbesondere hinsichtlich zeitlicher Trends, der Umsetzung methodischer Standards und der Berücksichtigung gesundheitlicher Chancengleichheit.
Material & Methoden: Es wurden zwei komplementäre systematische Reviews durchgeführt, in denen publizierte IPDMA von RCTs in MEDLINE, Embase und der Cochrane Database identifiziert wurden. Review 1 schloss alle IPD-MA bis Februar 2024 ein und untersuchte zeitliche Trends sowie die aktuelle methodische Praxis. Review 2 umfasste IPD-MA mit explizitem Health-Equity-Fokus aus den Jahren 2019–2024; extrahiert wurden PROGRESS-Plus-Merkmale und ihre Operationalisierung.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 605 IPD-MA aus den Jahren 1991–2024 eingeschlossen. Die Zahl der Publikationen stieg zunächst an und stagniert seit 2019 bei etwa 60 pro Jahr. In einer vertieften Auswertung aktueller paarweiser IPD-MA (2022–2024; n=100) berichteten 68% eine Orientierung an PRISMA-IPD und 82% eine Risk-of-Bias-Bewertung; 33% veröffentlichten jedoch ein Protokoll, 29% einen statistischen Analyseplan und 15% Trustworthiness-Assessments. Von 284 gescreenten IPD-MA aus 2019–2024 wiesen 42 (14,7%) einen expliziten Health-Equity-Fokus auf. Am häufigsten untersucht wurden Alter (95%), Sex/Gender (81%), Bildung (41%), Ethnie/Race (41%) und Wohnort (26%); andere PROGRESS-Plus-Dimensionen wurden selten berücksichtigt und Variablendefinitionen waren oft uneinheitlich.
Diskussion: IPD-MA bieten großes Potenzial für eine sozialmedizinisch relevante, präzise Evidenzsynthese. Dieses Potenzial wird bislang nur teilweise ausgeschöpft, insbesondere für Fragen gesundheitlicher Ungleichheit. Zentrale Hürden sind eine unzureichende Transparenz sowie die uneinheitliche Erhebung und Harmonisierung equity-relevanter Variablen.
Take Home Message für die Praxis: IPD-MA können zu einer gerechteren Versorgung und Prävention beitragen, sofern sozial relevante Merkmale frühzeitig standardisiert berücksichtigt und Analysen transparent geplant und berichtet werden.
Interessenkonflikte: Keine



