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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Arbeitsunfähigkeits-Begutachtung zwischen Prüfinstrument und Integrationsberatung

Wilfried Gerland - Medizinischer Dienst Hessen, Deutschland

Text

Hintergrund: Der Medizinische Dienst (MD) als sozialmedizinische Sachverständigeninstitution der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) führt in deren Auftrag bundesweit rund 474.000 Begutachtungen zu Fragestellungen anlässlich von Arbeitsunfähigkeit (AU) durch. Vor dem Hintergrund einer immer komplexeren Arbeitswelt und dem sich verändernden AU-Diagnose-Spektrum erhalten Fragen zum Leistungsbild, zur Wiedereingliederung und vor allem zur Erwerbsprognose eine handlungsleitende Bedeutung an der Schnittstelle zur allgemeinmedizinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Zielsetzung: Wegen der großen Relevanz der Feststellung von Arbeitsunfähigkeit im allgemeinmedizinischen Praxisalltagsollen die sozialmedizinischen Grundlagen der AU-Begutachtung erläutert und ihr unmittelbarer Impact für die allgemeinmedizinische Versorgung praxisorientiert und diskursiv dargestellt werden.

Inhalt: Anhand einer Vielzahl von Kennzahlen, die sich aus der Leistungsstatistik des Medizinischen Dienstes und den Daten der GKV ergeben, wird erkennbar, dass AU-Begutachtung einen deutlichen inhaltlichen Wandel vollzogen hat. Statt einer Dominanz der Fragen zur Dauer von AU oder der Klärung von Zweifeln an der AU stehen inzwischen Fragen im Kontext von Reintegrationsmaßnahmen oder zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit im Vordergrund. Der Wandel der Rolle des MD von der Kontrollinstanz hin zum sozialmedizinischen Experten im Spannungsfeld zwischen Individualinteresse und sozialer Gerechtigkeit sowie als Lotse für die Integration ins Arbeitsleben in einer komplexen sozialversicherungsrechtlichen Umgebung bedingt die Notwendigkeit einer verbesserten Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen MD und der vertragsärztlichen Versorgung.

Diskussionspunkt: Anhand der vorgestellten Kennzahlen soll ein Erfahrungsaustausch und eine Diskussion über verbesserte Formen der Kommunikation und Kooperation zwischen dem MD und der allgemeinmedizinischen Versorgung erfolgen.

Take Home Message für die Praxis: Der inhaltliche Wandel in der AU-Begutachtung des MD als sozialmedizinische Experteninstitution in einem komplexen sozialversicherungsrechtlichen Kontext bedingt die Notwendigkeit einer besseren Kommunikation und Kooperation mit der allgemeinmedizinischen Praxis, um gemeinsam eine zunehmend systemrelevante Koordinationsfunktion wahrzunehmen.

Interessenkonflikte: Keine