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Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wirksamkeit von Social Prescribing auf Einsamkeit und Wohlbefinden bei Patient:innen mit sozialen Problemen in der hausärztlichen Versorgung – explorative klinische Ergebnisse

Wolfram Joachim Herrmann - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung: Explorative Analyse der Wirksamkeit von SP im Vergleich zur Routineversorgung bei Patient:innen mit sozialen Problemen anhand von Patient Reported Outcomes

Methodik: Im Rahmen der Machbarkeitsstudie erhobene sekundäre Endpunkte waren Einsamkeit (De Jong Gierveld Short Scales), Wohlbefinden (WHO-5) und Wohlbefindensfähigkeit (ICECAP-A). Die explorative Auswertung erfolgte als Intention-to-Treat Analyse mit dem Full Analysis Set unter Baselineadjustierung. Die behandelnden Hausärzt:innen kategorisierten die soziale Probleme ihrer Patient:innen, es wurden alle Patient:innen analysiert und als Subgruppenanalyse alle Patient:innen, bei denen die Hausärzt:innen Einsamkeit als soziales Problem angegeben hatten.

Ergebnisse: 234 TN konnten rekrutiert werden, davon wurden 188 (80,3%) TN randomisiert, von denen 154 (81,9%) am 6-Monats-Follow Up teilnahmen. In den explorativen klinischen Ergebnissen zum 6-Monats-Follow Up zeigten sich für alle TN allenfalls kleine Effekte: Wohlbefinden verbesserte sich um 4,0 Prozentpunkte (95%-KI -4,1;12,2/Cohen’s d= 0,17) stärker in der Interventionsgruppe verglichen zur Kontrollgruppe und Einsamkeit um 0,10 Skalenpunkte (-0,08;0,29/d=-0,19). Bei der Subgruppe der TN, die Einsamkeit als ein durch die Hausärzt:innen identifiziertes Problem hatten (46%), kam es zu Verbesserungen in klinisch relevanten Größenordnungen: Das Wohlbefinden verbesserte sich in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 11,9 Prozentpunkte (0,8;23,0/d=0,54) und die Einsamkeit um 0,23 Skalenpunkte (-0,06;0,53/d=-0,40).

Implikationen: Die explorativen Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie geben einen Hinweis darauf, dass SP möglicherweise nicht bei allen hausärztlichen Patient:innen mit sozialen Problemen wirkt, sondern eher bei den Patient:innen, die von den Hausärzt:innen als einsam kategorisiert werden. Diese Hinweise auf einen Nutzen von SP für hausärztliche Patient:innen mit Einsamkeit sollten in einer konfirmatorischen Studie gezielt überprüft werden, bevor der Ansatz in der Versorgungspraxis eingesetzt werden sollte.

Interessenkonflikte: Förderung von Projekten zu Social Prescribing durch DFG und Horizont Europa.