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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Partner:innen von Männern mit depressiven Erkrankungen: Belastungen, Rollen und Bewältigungsstrategien

Maja Stiawa - Universität Ulm, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Deutschland
Paul Nickel - Universität Ulm, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I, ZfP Südwürttemberg, Deutschland
Gironimo Krieg - Universität Ulm, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Deutschland
Katharina Senk - Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Leipzig, Deutschland
Silvia Krumm - Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Leipzig, Deutschland

Text

Hintergrund: Psychische Erkrankungen sind in soziale, familiale und versorgungsbezogene Kontexte eingebettet und betreffen neben den Erkrankten auch Angehörige und partnerschaftliche Dynamiken. Die Rolle von Partner:innen depressiv erkrankter Männer und die Bedeutung geschlechterbezogener Normvorstellungen im gemeinsamen Umgang mit der Erkrankung sind unzureichend erforscht.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wird, wie Partner:innen depressiv erkrankter Männer ihre Rolle im Behandlungsverlauf beschreiben, mit Herausforderungen umgehen, welche Unterstützungsbedarfe sie äußern, sowie die Paardynamiken und partnerschaftliche Unterstützungspotentiale.

Material & Methoden: Im Rahmen des DFG-geförderten Projekts TRANSMODE wurden problemzentrierte Interviews mit 14 depressiv erkrankten Männern und deren Partner:innen geführt. Inhaltsanalytische Auswertung nach Kuckartz unter Verwendung von MAXQDA.

Ergebnisse: Partnerschaftliche Rollenvorstellungen prägen die gemeinsame Krankheitsbewältigung maßgeblich. Vor allem traditionell ausgerichtete Beziehungsmodelle gehen mit Machtasymmetrien und konflikthaften Interaktionsmustern einher. Unabhängig von der Beziehungsdynamik üben Partner:innen zentrale Funktionen im Krankheits- und Behandlungsprozess aus. Sie übernehmen organisatorische und emotionale Aufgaben, fördern die Inanspruchnahme von Behandlung und tragen wesentlich zur Alltagsbewältigung bei. Gleichzeitig sind sie stark belastet, insbesondere durch die Übernahme zusätzlicher familialer und beruflicher Verantwortung sowie durch eingeschränkte Behandlungsbereitschaft der Partner. Strukturelle Barrieren im Versorgungssystem verstärken diese Belastung. Professionelle Unterstützungsangebote werden selten genutzt, stattdessen greifen Partnerinnen überwiegend auf private Netzwerke zurück. Viele äußern den Wunsch nach stärkerer Einbeziehung in den Behandlungsprozess.

Diskussion: Partner:innen spielen eine zentrale Rolle im Behandlungsverlauf depressiv erkrankter Männer, vor allem bei der Initiierung von Hilfe und der Alltagsbewältigung. Gleichzeitig sind sie erheblich belastet und bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge. Eigene Unterstützungsbedarfe werden überwiegend informell gedeckt.

Take Home Message für die Praxis:

  • Es bedarf niedrigschwellige Unterstützungsangebote, die gezielt auf Partner:innen depressiv erkrankter Männer ausgerichtet sind
  • Einbezug von Partner:innen in die Behandlung kann Verständnis, Kommunikation und gemeinsame Bewältigung fördern
  • Familiäre Kontexte und Unterstützungsbedarfe sollten stärker in der Behandlung berücksichtigt werden

Interessenkonflikte: Keine