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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Zusammenarbeit zwischen Angehörigen, Personen in Behandlung und Fachkräften in psychiatrischer Versorgung: Ergebnisse und Implikationen aus einer multiperspektivischen Erhebung
Text
Hintergrund: Angehörige sind in psychischen Krisen auf bedeutsame Weise involviert, tragen wesentlich zu Genesungsprozessen bei und haben spezifisches Erfahrungswissen. In Leitlinien wird der systematische Einbezug Angehöriger empfohlen. In klinischer Praxis scheint die Zusammenarbeit bislang nicht hinreichend etabliert. Perspektiven und Bedürfnisse Angehöriger sind unzureichend untersucht.
Zielsetzung/Fragestellung: Die vorliegende Studie untersucht Kooperation in der psychiatrischen Versorgung aus Sicht von Angehörigen, Personen in Behandlung und Fachkräften mit den Zielen: (1) Prävalenz, Erfahrungen und Zufriedenheit mit Kooperation, (2) Identifikation gruppenspezifischer (unerfüllter) Bedarfe in kooperativer Praxis. Gruppenunterschiede in Einstellungen zu Kooperation, Zufriedenheit und assoziierte Faktoren werden analysiert.
Material & Methoden: An zwei Studienstandorten sowie über Selbsthilfeorganisationen wurde eine präregistrierte, partizipative Querschnittsstudie durchgeführt (N = 355). Kooperationserfahrungen, Zufriedenheit und Einstellungen zur Kooperation wurden erfasst und Diskrepanzen zwischen erlebtem und gewünschten Inhalten bei der Kooperation beschrieben, Gruppenunterschiede ahand inferenzstatistischer Methoden evaluiert. Die Ergebnisse wurden partizipativ und multiprofessionell reflektiert und in praxisorientierte Handlungsempfehlungen überführt.
Ergebnisse: Kooperation mit Angehörigen erfährt über alle Gruppen hinweg hohe Befürwortung, wird jedoch nicht regelhaft implementiert und die Erfahrungen inkonsistent beurteilt. Die subjektive Zufriedenheit mit Kooperationserfahrungen ist insgesamt niedrig, bei Angehörigen signifikant geringer als bei Nutzenden und Fachkräften.
Diskussion: Es werden divergierende Bedarfe bzgl. Kooperationsinhalten bei Fachkräften (Infromationsweitergabe, Psychoedukation und Behandlungsplanung), Nutzenden (Psychoedukation, Handlungsanweiseungen und Unterstützung der Angehörigen) und Angehörigen (gemeinsames Krisenverstehen, Beziehungsdynamik) beschrieben, die potentielle Zielkonflikte nahelegen.
Take Home Message für die Praxis: Die Befunde unterstreichen eine fortbestehende Lücke zwischen Leitlinienempfehlung und Umsetzung in der der psychiatrischen Routineversorgung. Erfolgreiche systematische Zusammenarbeit geht über einzelne Interventionen hinaus, setzt die Zielklärung für Kooperation voraus, die Erfahrungswissen sowie unterschiedliche Bedarfe anerkennt. Moderne psychiatrische Behandlungsangebote sollten eine netzwerkorientierte Perspektive einnehmen. Handlungsempfehlungen werden diskutiert.
Interessenkonflikte: Keine



