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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Entwicklung und Validierung eines Index zur räumlichen Quantifizierung von Vulnerabilität am Beispiel von Hitze

Sandra Hischke - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Versorgungforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Hamburg, Deutschland
Jobst Augustin - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Versorgungforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Es ist mit einer Zunahme der Häufigkeit und Dauer von Hitzeperioden zu rechnen. Hitze stellt ein relevantes Gesundheitsrisiko dar, insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Kleinkinder sowie Personen mit Vorerkrankungen. Neben individuellen Faktoren beeinflussen auch räumliche und strukturelle Gegebenheiten – beispielsweise Bevölkerungsstruktur, Grünflächen sowie die Erreichbarkeit von Gesundheitseinrichtungen – die Vulnerabilität gegenüber hitzebedingten Gesundheitsrisiken. Unklar ist, wie sich Regionen hinsichtlich ihrer Vulnerabilität gegenüber Hitze unterscheiden.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie ist die Entwicklung und Validierung eines räumlichen Vulnerabilitätsindex zur Identifikation von Regionen mit erhöhter hitzebedingter Gesundheitsgefährdung.

Material & Methoden: Untersuchungsraum sind die Kreise und kreisfreien Städte am Beispiel von Hessen. Hitzeperioden wurden als ≥3 aufeinanderfolgende Tage mit Hitzewarnung, einer Tageshöchsttemperatur ≥30 °C oder Überschreitung des 95. Perzentils definiert. Der entwickelte Index umfasst die drei Dimensionen Räumliches Vorkommen, Sensitivität und Anpassungskapazität. Literaturbasierte Indikatoren wurden diesen Dimensionen zugeordnet und mittels Hauptkomponentenanalyse gewichtet. Daraus wurde ein Summenindex gebildet.

Zur Validierung wurden alters- und geschlechtsadjustierte Inzidenzratenverhältnisse hitzebedingter Diagnosen auf Kreisebene für den Zeitraum 2015–2024 mittels generalisierter linearer gemischter Modelle analysiert.

Ergebnisse: Der resultierende Index ermöglicht eine räumliche Klassifizierung der Kreise in Hessen hinsichtlich ihrer hitzebedingten Vulnerabilität. Die Indexwerte variierten deutlich zwischen den Kreisen (−2,11 bis 3,01) und weisen auf ausgeprägte regionale Unterschiede hin.

Erste Validierungsergebnisse zeigen eine positive Korrelation (r=0,43) zwischen den Indexwerten und den kreisspezifischen Schätzungen hitzebedingter Gesundheitsauswirkungen.

Diskussion: Die Ergebnisse sprechen für die Eignung des Index zur Abbildung regionaler Unterschiede hitzebedingter Vulnerabilität, unterliegen jedoch methodischen Limitationen und erfordern eine Prüfung der Übertragbarkeit auf andere Regionen.

Take Home Message für die Praxis: Der entwickelte Vulnerabilitätsindex kann dazu beitragen, besonders gefährdete Regionen frühzeitig zu identifizieren und gezielte Maßnahmen der hitzeangepassten Gesundheitsversorgung und Prävention zu unterstützen.

Interessenkonflikte: Keine