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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Modellierung des Risikos von Hitze bezüglich Mortalität und 13 ausgewählten stationären Krankenhausdiagnosen in einer Kohorte von über 8 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland

Alexander Hapfelmeier - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland; Technische Universität München, Institut für KI und Informatik in der Medizin, München, Deutschland; Technische Universität München, Munich Center for Health Economics and Policy, München, Deutschland

Text

Hintergrund: Internationale Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Hitze und Mortalität sowie Morbidität der Bevölkerung. Entsprechende Ergebnisse informieren über die Belastung von Gesundheitssystemen und unterstützen die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen.

Fragestellung: Inwiefern diese Risiken das deutsche Versorgungssystem belasten und sich auf die Sterblichkeit und Gesundheit der Bevölkerung und vulnerabler Bevölkerungsgruppen auswirken bleibt weiterhin zu untersuchen.

Material & Methoden: Für unsere Analysen standen uns Routinedaten aus den Jahren 2014 bis 2025 von über 8 Millionen Versicherten aus 17 gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung. Die Analysedaten wurden auf Landkreisebene mit Klimadaten des DWD, Helmholtz-Zentrums und Copernicus verknüpft, die jährlich den Zeitraum von April bis November abdeckten. Grundlage der primären Analysen war die durchschnittliche Tagestemperatur. In einem hypothesengeleiteten Ansatz wurden 13 hitzeassoziierte Erkrankungen, die von Expert:innen als relevant identifiziert wurden, anhand der ICD-10-Codes für primäre stationäre Diagnosen definiert. Zur Quantifizierung des Zusammenhangs zwischen Temperatur und Mortalität bzw. Morbidität wurden Distributed-Lag-non-lineare Modelle (DLNMs) auf Kreisebene mit einem Zeitverzug von bis zu sechs Tagen verwendet. Kovariablen wie saisonale Faktoren (Wochenenden, Feiertage, COVID-19-Pandemie), relative Luftfeuchtigkeit, PM2.5 (Feinstaub), Alter und Geschlecht wurden berücksichtigt. Die Modelle auf Kreisebene wurden mittels Meta-Regression zu einem deutschlandweiten Modell für jedes Outcome zusammengeführt.

Ergebnisse: Es zeigt sich ein deutlicher Anstieg des Risikos für Mortalität (≥10%), akutes Nierenversagen (≥45%), Sepsis (≥30%) und Harnwegsinfektionen (~10%) mit steigenden Temperaturen (über 30°). Für Früh- bzw. Totgeburten sowie COPD zeigte sich nahezu kein Zusammenhang. Für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz ergaben sich reduzierte relative Risiken, ebenso für Schizophrenie. Asthma und hitzebedingte Erkrankungen wurden ebenfalls berücksichtigt, jedoch war die Fallzahl für eine statistische Modellierung zu gering. Aus demselben Grund wurde Pneumonie nur in urbanen Regionen untersucht; dort nahmen die Risiken bis zu einer Temperatur von 24 °C ab und stiegen erst darüber hinaus an.

Diskussion: Insgesamt zeigt sich ein deutlicher Einfluss der Hitze auf die Mortalität und ein differenzierter Einfluss auf die Morbidität. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass Abrechnungsdaten der Krankenkassen primär für Verwaltungszwecke erhoben werden. Sie spiegeln Versorgungs- und Diagnoserealitäten wider und kausale Interpretationen von Zusammenhängen sind nur eingeschränkt möglich. Für spezifische Krankheiten weisen die Ergebnisse jedoch auf eine aktuelle und erwartete Belastung des deutschen Versorgungssystems und die Gefährdung der Bevölkerung durch Hitze hin.

Interessenkonflikte: Keine