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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Erfahrungen mit Anfragen nach Suizidassistenz in der hausärztlichen Praxis: empirische Einblicke einer explorativen Interviewstudie
Text
Inhalt: Als oftmals langjährige Begleiter:innen ihrer Patient:innen in Gesundheit und Krankheit sind Hausärzt:innen prädestinierte Ansprechpartner:innen für Sterbewünsche einschließlich Anfragen nach Suizidassistenz. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Thematik konzentrieren sich in Deutschland bislang jedoch vorrangig auf andere Fachgruppen, z.B. Onkologie, Palliativmedizin und Psychiatrie. Zur Untersuchung der hausärztlichen Perspektiven wurden in der HAPASS Studie mithilfe leitfadengestützer Einzelinterviews die Erfahrungen von 19 Hausärzt:innen in Deutschland mit Anfragen nach Suizidassistenz exploriert. Die Datenauswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Ergebnisse legen nahe, dass Anfragen nach Suizidassistenz kein alltäglicher Beratungsanlass sind, jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe eines hausärztlichen Berufslebens vorkommen. Als Motive für die Anfragen wurden durch die befragten Hausärzt:innen vor allem Einsamkeit, der drohende oder tatsächliche Verlust von Autonomie und Selbstständigkeit sowie der Wunsch nach Leidenslinderung bei schwerer Erkrankung erlebt. Obwohl viele Befragte angaben, der Option der Suizidassistenz offen gegenüberzustehen, wurde die Frage nach dem individuellen Verständnis der ärztlichen Rolle im Kontext von Anfragen nach Suizidassistenz heterogen beantwortet. Die berichteten Reaktionen der befragten Ärzt:innen auf derartige Anfragen in der Praxis fielen je nach Situation, individueller Einstellung und Kenntnis der Thematik unterschiedlich aus. Es ließen sich 4 Reaktionsgruppen identifizieren, wobei sowohl intrasituative als auch intrapersonelle Dynamiken vorkamen. In keinem Fall wurde die Bitte um ärztliche Hilfe beim Suizid sofort mit einem Handlungsauftrag zur Suizidassistenz gleichgesetzt. Sehr häufig äußerten die Teilnehmenden Unsicherheiten im Umgang mit der Thematik sowie Unterstützungs- und Reflexionsbedarf. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Anfrage nach Suizidassistenz in der hausärztlichen Praxis einen komplexen Beratungsanlass mit besonderen Herausforderungen sowohl auf der ärztlich-fachlichen als auch auf der persönlichen Ebene darstellt. Die Erkenntnisse aus der Erforschung hausärztlicher Perspektiven können wertvolle Anregungen für die Er- und Überarbeitung von bedarfs- und praxisorientierten Empfehlungen und Vorgaben auf der Regelebene sowie Anregungen für den Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz auf individueller Ebene bieten.
Interessenkonflikte: Themenbezogene Referatshonorare, Reisekostenübernahmen oder -zuschüsse durch DFG und BMFTR, Mitgliedschaften in DEGAM, AEM, Marburger Bund



