Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Achtsamkeit und Gesundheitsförderung – das salutogenetische Potenzial der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR)

Antje Miksch - EH Hessen, FB Inklusive Bildung und Gesundheit, Deutschland; MBSR-Verband, Deutschland
Luka-Antonia Breuer - EH Hessen, FB Inklusive Bildung und Gesundheit, Deutschland; TU Darmstadt, Institut für Psychologie, Darmstadt, Deutschland
Maximillian Stasica - TU Darmstadt, Lauflabor, Institut für Sportwissenschaft und Centre for Cognitive Science, Deutschland
Rosa Michaelis - Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Neurologie, Bochum, Deutschland; MBSR-Verband, Deutschland

Text

Hintergrund: Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) ist ein standardisiertes, evidenzbasiertes Programm zur Förderung gesundheitsrelevanter Ressourcen und zur Reduktion von Stressreaktivität durch Achtsamkeit. Bisherige Studien untersuchten MBSR meist mit spezifisch ausgewählten Patient:innengruppen und fokussierten auf krankheitsbezogene Parameter. Im Sinne eines salutogenetischen Ansatzes richtet sich die vorliegende Studie nicht primär auf Symptomreduktion, sondern auf das Potenzial von MBSR, durch die Förderung adaptiver Bewältigungsstrategien den Umgang mit Belastungen und Symptomen zu erleichtern.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie untersucht, welche Veränderungen sich während der Kursteilnahme und bis zu sechs Monate danach in gesundheitsbezogenen Aspekten wie Kohärenzgefühl und Selbstwirksamkeitserwartung zeigen – bei Personen, die aus unterschiedlichen Gründen und Eigeninitiative an regulär angebotenen MBSR-Kursen teilnehmen. Ziel ist, das salutogenetische Potenzial des Programms zu beleuchten und über krankheitszentrierte Ansätze hinauszugehen.

Material & Methoden: Die Erhebung erfolgt über eine Online-Befragung zu vier Messzeitpunkten, die von MBSR-zertifizierten Achtsamkeitslehrenden verteilt wurde. Erfasst werden soziodemographische und gesundheitsbezogene Angaben sowie Daten aus validierten Instrumenten (ERQ, FMI-13R, PSS-10, PHQ-4, EQ-5D-5L, WHO5, Quiet Ego Scale, SOC-L9, SWE).

Ergebnisse: Die Ausgangsstichprobe besteht aus 103 Versuchspersonen. Zum Zeitpunkt der Einreichung waren noch nicht alle achtwöchigen Kurse abgeschlossen; die Datenerhebung wird fortgesetzt. Vorgestellt werden erste qualitative und quantitative Ergebnisse zu T0 und T1 (vor und direkt nach der Kursteilnahme).

Diskussion: Die bisherigen Rückmeldungen deuten darauf hin, dass Teilnehmende MBSR nicht nur als Maßnahme zur Stressbewältigung erleben, sondern als Unterstützung im Umgang mit krankheitsbezogenen Belastungen und chronischen Beschwerden. Damit wird ein erweiterter salutogenetischer Wirkansatz sichtbar, der über die reine Stressbewältigung hinausgeht.

Take Home Message für die Praxis: MBSR wird im deutschen Gesundheitssystem bislang ausschließlich als Maßnahme der Primärprävention (§20 SGB V) anerkannt. Angesichts der hohen Prävalenz chronischer Erkrankungen kann diese Studie dazu beitragen, das bislang unzureichend genutzte salutogenetische Potenzial von MBSR aus Sicht der Versorgungsforschung aufzuzeigen und eine breitere Anwendung im Gesundheitswesen anzuregen.

Interessenkonflikte: Antje Miksch und Rosa Michaelis sind Mitglieder im MBSR-MBCT Verband der Achtsamkeitslehrenden. Rosa Michaelis ist Mitglied des Vorstandes.

Ansonsten keine Interessenskonflikte