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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Aggregierte Evidenz als Grundlage von Leitlinienempfehlungen – Lessons learned aus der Erstellung der S3-Leitlinie „TheMoS“

Catharina Sophia Groß-Harder - Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Fachbereich Gesundheit und Soziales, Jena, Deutschland
Christian Dohle - P.A.N. Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation, Deutschland; Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin, Forschungsabteilung, Berlin, Deutschland; Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, Charité – Universitätsmedizin, Berlin, Deutschland
Susanne Saal - Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Fachbereich Gesundheit und Soziales, Jena, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Entwicklung einer Leitlinie zu einer häufig vorkommenden Erkrankung bietet häufig die Herausforderung einer sehr umfangreichen Literaturbasis. Für ein zeit- und ressourceneffizientes Vorgehen wird empfohlen, zunächst auf aggregierte Evidenz und bestehende Leitlinien zurückzugreifen, bevor Primärstudien recherchiert werden (AWMF, 2024). Eine Arbeitsgruppe des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e.V. lieferte 2024 erste konkrete Umsetzungsempfehlungen zur Auswahl der systematischen Literatur (Mathes et al., 2024).

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Arbeit ist die Überprüfung dieses strukturierten Verfahrens zur systematischen Auswahl und Verwendung von aggregierter Evidenz am Beispiel der aus dem Innovationsfonds-geförderten Erstellung der S3-Leitlinie „TheMoS – Therapie der Mobilität nach Schlaganfall“ (FKZ 01VSF23004; 10/2023–06/2026).

Diskussionspunkt: Die vorgeschlagenen Kriterien haben sich als sinnvoll und machbar für eine transparente und zielgerichtete Auswahl erwiesen. In bestimmten Konstellationen ist es ratsam, von der empfohlenen Auswahlabfolge abzuweichen. Die Passfähigkeit zur Fragestellung sollte entsprechend der Leitlinie konkret operationalisiert werden. Die alleinige Verwendung aggregierter Evidenz birgt aber die Gefahr, den Detailgrad von Empfehlungen zu limitieren. Daher sollten die Evidenzreports eine Detailbeschreibung der eingeschlossenen Primärstudien beinhalten.

Inhalt: Die systematische Recherche für die 29 Fragestellungen identifizierte 464 potentiell relevante systematische Übersichtsarbeiten (SÜ) im Title/Abstract-Screening. Anhand der vorgeschlagenen Kriterien Aktualität, Passfähigkeit zur Fragestellung, Vertrauenswürdigkeit, Transparenz und Verwendbarkeit der Ergebnisse wurden 36 SÜ mit 716 RCTs eingeschlossen (methodische Qualität: 11 hoch, 15 moderat, 10 niedrig/kritisch niedrig). 31 der eingeschlossenen SÜ wurden in den letzten fünf Jahren veröffentlicht und 5 waren älter. In 23 der 29 Fragestellungen bildeten ausschließlich Metaanalysen aus bestehenden SÜ die Evidenzgrundlage, bei zwei Fragestellungen wurden bestehende SÜ aktualisiert und bei vier Fragestellungen konnten keine geeigneten Studien identifiziert werden.

Take Home Message für die Praxis: Die kriteriengeleitete Vorgehensweise reduziert bisherige Freiheitsgrade in der Auswahl der Evidenz deutlich, erhöht die Transparenz und trägt somit zur Qualitätssicherung in der Leitlinienentwicklung auf der Basis von aggregierter Evidenz bei. Das Vorgehen sollte daher in Leitlinienmanuale aufgenommen werden.

Interessenkonflikte: Keine