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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Regionale Unterschiede der Herzinfarktmortalität in Deutschland: Erkenntnisgewinn durch Verwendung der normierten Mortalitätsrate

Susanne Stolpe - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin 50, Bochum, Deutschland
Katharina Kunde - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin 50, Bochum, Deutschland
Kathrin Schlößler - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin 50, Bochum, Deutschland
Horst Christian Vollmar - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin 50, Bochum, Deutschland
Bernd Kowall - Universitätsklinik Essen, Institut für med. Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Herzinfarktmortalität ist in Deutschland seit vielen Jahren rückläufig. Zwischen den Bundesländern bestehen jedoch erhebliche Unterschiede sowohl in der Höhe als auch im zeitlichen Verlauf der altersstandardisierten Mortalitätsrate (ASMR). So ging die ASMR für Herzinfarkt seit 2000 in den meisten Bundesländern kontinuierlich zurück, zeigte in einigen Ländern jedoch kurzfristige, teils ausgeprägte Schwankungen und stieg in Berlin sogar entgegen dem Bundestrend an. 2024 lag die ASMR in Berlin (Männer: 80, Frauen: 59/100.000) und Mecklenburg-Vorpommern (MV, Männer: 90, Frauen: 54/100.000) deutlich über denen von Hamburg (Männer: 34, Frauen: 25/100.000) und Nordrhein-Westfalen (NRW, Männer: 40, Frauen: 25/100.000). Unterschiede in Risikofaktorenbelastung und Gesundheitsversorgung können dies nicht zufriedenstellend erklären, vielmehr dürften auch unterschiedliche Präferenzen bei der Selektion einer Todesursache bei der Leichenschau eine Rolle spielen.

Zielsetzung/Fragestellung: Es soll geprüft werden, ob eine Normierung der Mortalitätsraten einen valideren Vergleich der Herzinfarktmortalität ermöglicht.

Material & Methoden: Für den Zeitraum 2000–2024 wurden aus GBE-bund.de die Zahl der Todesfälle und die ASMR für Herzinfarkt nach Geschlecht und Bundesland extrahiert. Die normierte Mortalitätsrate für Herzinfarkt ist der Quotient aus der ASMR für Herzinfarkt und dem Anteil der Herzinfarkttodesfälle an allen Sterbefällen.

Ergebnisse: Im Jahr 2024 war die normierte Mortalitätsrate für Herzinfarkt für Frauen in NRW, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen am höchsten (je 12,3 je 100.000 je 1%-Anteil), in Sachsen und Baden-Württemberg (10,9) am niedrigsten. Bei Männern verzeichneten Mecklenburg-Vorpommern (13,5) und Sachsen-Anhalt (14,0) den höchsten normierten Herzinfarktmortalität, Baden-Württemberg (10,8) und Bayern (11,3) die niedrigste. Anders als die ASMR verlief die normierte Mortalitätsrate für Herzinfarkt von 2000–2024 in allen Bundesländern weitgehend parallel rückläufig, auch in Berlin. Während der Corona-Pandemie (2020–2022) zeigte sich in allen Bundesländern – vor allem jedoch in Ostdeutschland- ein temporärer Anstieg.

Diskussion: Die Verwendung der normierten Mortalitätsrate zum Vergleich der Herzinfarktmortalität der Bundesländer ergibt plausiblere Werte als die ASMR, sowohl für die querschnittliche Betrachtung als auch im Verlauf.

Take Home Message für die Praxis: Die normierte Mortalitätsrate sollte bei regional und zeitlich vergleichender Berichterstattung der Herzinfarktsterblichkeit ergänzend zur ASMR berichtet werden.

Interessenkonflikte: Keine