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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zwischen Angst und Freude: Emotionen im Übergang in die ambulante Versorgung – Ergebnisse einer Interviewstudie mit Patient:innen

Marie Anna Therese Horzetzky - Vivantes Klinikum, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Deutschland
Juliana Supplieth - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Hannah Katharina Schroeder - Charité – Universitätsmedizin Berlin, St. Hedwig Krankenhaus, Berlin, Deutschland
Christian Hering - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Julie Lorraine O'Sullivan-Solte - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Der Übergang von der (teil-)stationären und stationsäquivalenten Behandlung in die ambulante Versorgung ist für Menschen mit psychischen Erkrankungen oft herausfordernd. Das Entlassmanagement gemäß § 39 Abs. 1a SGB V wurde 2017 gesetzlich verankert soll durch eine sektorenübergreifende, kontinuierliche Versorgung helfen, diese Phase zu erleichtern. Bisher liegt jedoch keine Evaluation vor.

Zielsetzung/Fragestellung: Das Projektziel besteht in der Evaluation des psychiatrischen Entlassmanagements aus der Perspektive von Personen, die einer vulnerablen Patient:innengruppen angehören. Wie erleben (1) Menschen mit Doppeldiagnosen (Sucht und einer weiteren psychiatrischen Diagnose), (2) von Wohnungslosigkeit betroffene Menschen, (3) pflegebedürftige Personen nach einem gerontopsychiatrischen Aufenthalt und (4) Menschen mit Erstmanifestation einer psychotischen Störung den Entlassprozess und den Übergang in die ambulante Versorgung? Welche Emotionen begleiten diesen Prozess und inwiefern sind sie mitbestimmend für eine gelingende ambulante Anschlussversorgung?

Material & Methoden: Es wurden 28 leitfadengestützte Interviews mit Menschen nach einem (teil)stationären psychiatrischen Aufenthalt geführt und aktuell mittels qualitativ strukturierender Inhaltsanalyse in Anlehnung an Kuckartz ausgewertet.

Ergebnisse: Emotionen spielten dabei eine zentrale Rolle. Die Interviewten schilderten ihre emotionalen Erfahrungen im Übergang von der (teil)stationären in die ambulante Versorgung. Komplexes und ambivalentes Emotionsgeschehen (wie Unsicherheit, Angst, aber ebenso Freude und Vertrauen) bestimmten den Entlassungsprozess und die anschließende gesundheitliche Versorgung.

Diskussion: Emotionen sind Teil des Menschseins und als Grundlage für Entscheidungen zu beachten. Es ergeben sich daraus Erkenntnismöglichkeiten zu Erfahrungen von Patient:innen in der gesundheitlichen Versorgung. Informationen über den emotionalen Zustand im Entlassprozess ermöglichen es individuelle Entscheidungen und Behandlungspfade von Patient:innen nachzuvollziehen.

Take Home Message für die Praxis: Entlassmanagement in der Psychiatrie ist nicht ausschließlich als organisatorischer Prozess zu verstehen, sondern vielmehr sollen emotionale Dimensionen systematisch berücksichtigt und als grundlegender Bestandteil in der Versorgung von Menschen integriert werden.

Interessenkonflikte: Keine