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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Bedarfe und Präferenzen von Patient:innen und deren Angehörigen mit Ohrenschmerzen und relevante Entscheidungssituationen: ein Scoping Review

Regina Mintert - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Halle, Deutschland
Julia Lauberger - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Halle, Deutschland
Anke Steckelberg - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Halle, Deutschland
Thomas Frese - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Halle, Deutschland
Susanne Unverzagt - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Halle, Deutschland

Text

Hintergrund: Ohrenschmerzen sind ein häufiger Vorstellungsgrund in der primärärztlichen Versorgung. Für die Aktualisierung der vom Innovationsfond des G-BA geförderten S3-Leitlinie „Ohrenschmerzen” sind die Perspektiven von Patient:innen von zentraler Bedeutung. In Abhängigkeit von Alter aber auch Geschlecht, kulturellem Hintergrund und weiteren Diversitätsaspekten können sich Bedarfe, Präferenzen und Versorgungserfahrungen unterscheiden. Diese Unterschiede sollten in der S3-Leitlinie berücksichtigt werden.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Scoping Reviews ist die Identifikation der Evidenz zu Bedarfen, Präferenzen sowie Entscheidungssituationen von Patient:innen mit Ohrenschmerzen und deren Angehörigen.

Material & Methoden: Die systematische Literatursuche erfolgte in MEDLINE, CINAHL und Epistemonikos im November 2025 und schließt quantitative und qualitative Studien aus dem ambulanten Bereich ein. Alle Screeningschritte erfolgten verblindet in Rayyan durch zwei Personen. Die Datenextraktion wurde von einer zweiten Person verifiziert und die Auswertung folgte der Inhaltsanalyse nach Kuckartz. Der Scoping-Review wurde bei OSF registriert.

Ergebnisse: Von 755 identifizierten Studien erfüllten 33 die Einschlusskriterien. Davon befassten sich 27 mit Otitis media bei Kindern. Diese Studien aus zwölf Ländern zeigen einen umfassenden Informationsbedarf der Eltern zu Ursachen, Diagnostik, Behandlung und Prävention von Ohrenerkrankungen im Kindesalter. Die Eltern äußerten den Wunsch nach rascher Versorgung und Schmerzlinderung. Auch Aspekte zur Entlastung der Eltern im Alltag wurden deutlich. Der Antibiotikaeinsatz stellte eine zentrale Entscheidungssituation dar, bei der sich ambivalente Präferenzen zwischen sofortiger Behandlung, optionaler Verordnung und zurückhaltendem Vorgehen zeigten. Als bevorzugtes Entscheidungsmodell wurde wiederholt das Shared-Decision-Making genannt.

Diskussion: Die Evidenzlage fokussiert überwiegend auf Otitis media im Kindesalter, während Daten zu Erwachsenen, anderen Diagnosen und weiteren Diversitätsdimensionen noch lückenhaft sind. Die Ergebnisse liefern Anhaltspunkte für die Auswahl der PICO-Fragestellungen. Im Rahmen der Leitlinienaktualisierung sollten Empfehlungen zum Einsatz von Antibiotika, Shared-Decision-Making sowie strukturierte Informationen für Patient:innen und deren Angehörige formuliert werden.

Take Home Message für die Praxis: Hinsichtlich der Patient:innenperspektive von Erwachsenen und Kindern mit anderen Diagnosen als Otitis media besteht erheblicher Forschungsbedarf.

Interessenkonflikte: Die Aktualisierung der S3-Leitlinie „Ohrenschmerzen“ wird durch den Innovationsfonds (G-BA) gefördert. Die Personalkosten von Regina Mintert und Susanne Unverzagt werden im Rahmen dieses Projekts darüber finanziert. Weitere Interessenkonflikte bestehen nicht.