Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Repräsentativität und Selektionsbias bei der Evaluation des Whole School Approach FREI DAY

Anna Brager - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Ricarda Brender - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Sibel Ünlü-Reske - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Christiane Meyer - Leibniz Universität Hannover, Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, Hannover, Deutschland
Dominik Roeding - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Ulla Walter - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland

Text

Hintergrund: Schulen sind zentrale Lebenswelten für Bildung, Gesundheit und nachhaltige Entwicklung. Der FREI DAY ist ein partizipativer Whole School Approach, in dem Schüler:innen eigenständig Projekte zu den Sustainable Development Goals umsetzen. Im Rahmen der Evaluationsstudie „#FREI DAY FOR FUTURE – Lebenswelten gemeinsam gesund und nachhaltig gestalten“ (2025–2028) wird die Wirkung und Umsetzung untersucht. Für die Interpretation von Evaluationsstudien ist die Repräsentativität der teilnehmenden Schulen zentral, da freiwillige Teilnahme zu Selektionsprozessen führen und die Übertragbarkeit der Befunde beeinflussen kann.

Zielsetzung/Fragestellung: Sind die teilnehmenden Schulen repräsentativ, und bestehen Hinweise auf Selektionsbias?

Material & Methoden: Analysiert wurden Querschnittsdaten der ersten Erhebungswelle der Evaluationsstudie (05–10/2025). In die Stichprobe wurden 41 Interventions- und Vergleichsschulen aus Niedersachsen eingeschlossen. Darunter 14 Grund- und 27 weiterführende Schulen. Untersucht wurden Schulform, Urbanität und die soziale Lage der Schülerschaft via German Index of Socioeconomic Deprivation, GISD. Referenzdaten stammen aus INKAR und amtlicher Statistik. Die Stichprobe wurde mit den landesweiten Verteilungen Niedersachsens verglichen; neben deskriptiven Analysen wurden inferenzstatistische Verfahren eingesetzt.

Ergebnisse: Die Stichprobe wich signifikant von den Referenzverteilungen ab. Gymnasien waren überrepräsentiert (52% vs. 9,5%), während Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I unterrepräsentiert waren (p < .001). Schulen aus Großstädten nehmen häufiger teil (17% vs. 1,6%), während Schulen aus kleinen Gemeinden seltener vertreten waren (p < .001). Teilnehmende Schulen wiesen zudem eine geringere soziale Deprivation auf als die Referenzpopulation aus Niedersachsen (M = .48 vs. .44; p = .021).

Diskussion: Die Ergebnisse deuten auf systematische Selektionsprozesse zugunsten strukturell privilegierter Schulen hin und schränkt die Generalisierbarkeit ein. Eine differenzierte Interpretation der Interventionseffekte unter Berücksichtigung der Stichprobenzusammensetzung ist daher erforderlich. Limitationen der Studie werden im Vortrag diskutiert.

Take Home Message für die Praxis: Für eine gerechte Implementierung und Bewertung sollten insbesondere Schulen in ländlichen und sozial benachteiligten Kontexten gezielt adressiert werden.

Interessenkonflikte: Keine