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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Selektion prüfungsrelevanter Leitlinienempfehlungen für das Medizinstudium: Pilotierung eines Kriterienkatalogs am Beispiel einer DEGAM-S3-Leitlinie

Jeannine Schübel - Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland; Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Martin Bortz - Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland
Karen Voigt - Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland; Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund: Leitlinien bündeln aktuelle Evidenz zu klinischen Versorgungssituationen und bieten damit einen guten Ausgangspunkt für die Entwicklung von Lehre und Prüfung im Medizinstudium. Ein standardisiertes Verfahren zur Selektion von Leitlinienempfehlungen für studentische Lehre und staatsexamensnahe Prüfungsinhalte existiert bislang jedoch nicht.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die Pilotierung eines Kriterienkatalogs zur Identifikation lehr- und prüfungsrelevanter Leitlinienempfehlungen. Am Beispiel einer neu entwickelten DEGAM-S3-Leitlinie wurde geprüft, welche Empfehlungen als relevant für Medizinstudium und staatsexamensnahe Prüfungen eingeordnet werden können.

Material & Methoden: Alle 37 Empfehlungen und Statements der Leitlinie wurden inhaltlich Lernzielen des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs der Medizin (NKLM) zugeordnet und anhand eines selbst entwickelten Kriterienkatalogs auf Prüfungsrelevanz bewertet (5 Kriterien, je 0–2 Punkte, 1 Negativkriterium −4 Punkte; Cut-off ≥ 5 von maximal 10 Punkten). Die Kriterien umfassten NKLM-Deckung, Prüfungstrennschärfe, Kompetenzerwartung am Ende der Ausbildung, Patientensicherheit und MC-Prüfbarkeit. Es erfolgten Bewertungen durch zwei unabhängige Reviewer. Die Interrater-Reliabilität wurde mittels Cohens Kappa berechnet.

Ergebnisse: Bewerter 1 stufte 15 von 37 Empfehlungen als prüfungsrelevant ein (40,5%), Bewerter 2 21 von 37 Empfehlungen (56,8%). Die Interrater-Reliabilität betrug 78,4% (κ = 0,578, moderate Übereinstimmung). Die acht diskrepanten Bewertungen beruhten überwiegend auf unterschiedlichen Bewertungen des Kriteriums „Kompetenzerwartung am Ende der Ausbildung“. In den übereinstimmenden Fällen lagen die Scores beider Bewerter mit einer Ausnahme eindeutig ober- bzw. unterhalb des Cut-offs.

Diskussion: Die Pilotstudie zeigt, dass sich Leitlinienempfehlungen mit einem strukturierten Kriterienkatalog systematisch auf ihre Prüfungsrelevanz für das Medizinstudium prüfen lassen. Die moderate Interrater-Reliabilität weist auf den Bedarf einer präziseren Operationalisierung des Kriteriums „Kompetenzerwartung am Ende der Ausbildung" sowie einer vorgeschalteten Kalibrierungsrunde hin. Eine formale Inhaltsvalidierung und Generalisierungsprüfung auf weitere Leitlinienthemen sind geplant.

Take Home Message für die Praxis: S3- und S2e-Leitlinien können eine systematische Grundlage für die Auswahl potenziell prüfungsrelevanter Inhalte bieten. Voraussetzung ist ein transparentes Bewertungsverfahren und eine klare Definition des angestrebten Prüfungsniveaus.

Interessenkonflikte: Keine