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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Akzeptanz von Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Umnutzung öffentlicher Räume in Wohnquartieren und ihre Korrelate: Ergebnisse einer Querschnitterhebung

Andrea Sarafoglou - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit, Mannheim, Deutschland
Nicole Lünow - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit, Mannheim, Deutschland
Michael Eichinger - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit, Mannheim, Deutschland; Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Mainz, Deutschland

Text

Hintergrund: Maßnahmen zur Reduktion des Durchgangsverkehrs, Umnutzung öffentlicher Räume (z.B. Parkplätze) und Entsiegelung können sich u.a. durch die Schaffung sicherer Schulwege, Grünflächen und Begegnungsräume positiv auf Gesundheit und ökologische Nachhaltigkeit auswirken. Bislang ist jedoch wenig über ihre Akzeptanz in der Bevölkerung bekannt.

Zielsetzung/Fragestellung: Wir untersuchen (1) die Akzeptanz von Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Umnutzung öffentlicher Räume sowie (2) Zusammenhänge mit möglichen Korrelaten (u.a. Kfz-Nutzung, Kinder im Haushalt).

Material & Methoden: Wir luden 11.384 zufällig aus dem Einwohnermelderegister ausgewählte Bürger:innen ab 18 Jahren aus vier Kiezen in Berlin zu einer Querschnitterhebung ein. Die Akzeptanz von 13 Maßnahmen wurde über Likert-skalierte Items (äußerst negativ bis äußerst positiv) und ihre Gesamtakzeptanz über den Mittelwert der Einzelitems (Spannweite: 1-6) erfasst. Zudem erhoben wir potenzielle nachbarschafts- (Zufriedenheit mit der Nachbarschaft), mobilitäts- (u.a. Mobilitätseinschränkung, Kfz-Nutzung) und nachhaltigkeitsbezogene (Naturverbundenheit) sowie soziodemographische Korrelate (u.a. Alter, Migrationshintergrund, Kinder im Haushalt). Zusammenhänge zwischen der Gesamtakzeptanz und möglichen Korrelaten untersuchten wir mit einem multiplen linearen Regressionsmodell.

Ergebnisse: Die 1.117 Teilnehmenden (Durchschnittsalter: 45,7 Jahre, Geschlecht: 51% weiblich) gaben für die Einzelmaßnahmen mäßige bis hohe Akzeptanzwerte an (61–88%). Positive Zusammenhänge mit der Gesamtakzeptanz zeigten sich u.a. für aktive Mobilität (β = 0,005, p < 0,001), Naturverbundenheit (β = 0,214, p < 0,001) und Kinder im Haushalt (β = 0,348, p < 0,001). Negative Zusammenhänge bestanden u.a. für Kfz-Nutzung (β = -0,853, p < 0,001) und Alter (β = -0,008, p < 0,001).

Diskussion: Die überwiegend hohe Akzeptanz der Maßnahmen deutet darauf hin, dass die gesellschaftliche Polarisierung durch Verkehrswendemaßnahmen möglicherweise geringer ausgeprägt ist als häufig angenommen und grundsätzlich günstige Rahmenbedingungen für deren Umsetzung bestehen. Akzeptanzunterschiede nach Mobilitätsverhalten und Lebensstil und die geringere Akzeptanz einzelner Maßnahmen unterstreichen jedoch den Bedarf an zielgruppenspezifischer Kommunikation und Beteiligung.

Take Home Message für die Praxis: Maßnahmen mit hoher Akzeptanz (z.B. Schulzonen, Ausweitung von Grünflächen) sollten prioritär umgesetzt werden, um frühzeitig positive Effekte im Alltag sichtbar zu machen und die Akzeptanz für weitere Maßnahmen zu fördern.

Interessenkonflikte: Keine