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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zwischen elterlicher Belastung und kindlicher Entwicklung: die Rolle der Frühen Hilfen als psychosoziales Unterstützungsangebot

Alexander Brandsch - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Ben Schulz - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Doreen Wolff - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland; MEDIAN Klinik Flechtingen, Flechtingen, Deutschland
Melina Niering - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Psychische Belastungen im familiären Umfeld sind ein zentraler Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern und ein relevantes Handlungsfeld von Public Mental Health. Besonders elterliche psychische Erkrankungen erhöhen das Risiko für Beeinträchtigungen bei Kindern. Angebote der Frühen Hilfen bieten niedrigschwellige Unterstützung u. a. zur Entlastung von Familien und Stärkung elterlicher Kompetenzen. Präventive Maßnahmen gelten als wirksam, bedürfen jedoch weiterer wissenschaftlicher Betrachtung.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wird, welche Rolle psychische Belastungen im familiären Umfeld für die Inanspruchnahme Früher Hilfen spielen, welche Hürden bestehen und wie regionale Rahmenbedingungen diese beeinflussen. Die Arbeit entstand im Rahmen des Projekts Pakt ÖGD als Zusammenarbeit des ISMG und des Jugendamts der Landeshauptstadt Magdeburg.

Material & Methoden: Analysiert wurden anonymisierte Standarddokumentationen von 236 abgeschlossenen Betreuungsfällen der Frühen Hilfen in Magdeburg (2022–2024), mit Fokus auf psychische Erkrankungen. Ergänzend wurden leitfadengestützte Interviews mit Expert:innen der psychotherapeutischen Versorgung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Public-Mental-Health-Kontext ausgewertet.

Ergebnisse: Psychische Erkrankungen (19%), Suchtproblematiken (23%) und deren Kombination (9%) betreffen rund die Hälfte der betrachteten Fälle und alle Altersgruppen der Hauptbezugspersonen. Die Interviews verdeutlichen die zentrale Rolle des familiären Umfelds für die psychische Gesundheit von Kindern. Expert:innen berichten von zunehmenden psychischen Belastungen. Neben gesellschaftlichen Einflüssen spielen familiäre Dynamiken und Entwicklungen (bspw. Über- und Unterversorgung) eine wichtige Rolle. Digitale Interventionen (E-Mental-Health) werden dabei als ergänzende niedrigschwellige Zugänge diskutiert.

Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger Prävention und einer stärkeren Vernetzung zwischen Frühen Hilfen und weiterführenden niedrigschwelligen Angeboten, um Stigmatisierung und Scham zu überwinden. Frühe Interventionen, einschließlich E-Mental-Health, können Risikoverläufe unterbrechen, der Einsatz wird jedoch u.a. durch strukturelle Rahmenbedingungen begrenzt.

Take Home Message für die Praxis: Angebote der Frühen Hilfen stabilisieren belastete Familien und fördern präventiv die psychische Gesundheit von Kindern. Frühzeitige Unterstützung und gezielte Sensibilisierung zentraler Zugangsstellen können diese Wirkung nachhaltig stärken.

Interessenkonflikte: Keine