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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Erfassung von Geschlecht in bevölkerungsbezogenen Studien: eine erste Bestandsaufnahme von nationalen Kohorten- und Registerstudien

Eva Becher - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät – AG Geschlechtersensible Medizin, Bielefeld, Deutschland
Michaela Prigge - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Gruppe 3.1 Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen, Deutschland
Precious Uzoetue - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Berlin, Deutschland
Janice Hegewald - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Gruppe 3.1 Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen, Deutschland
Sabine Oertelt-Prigione - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät – AG Geschlechtersensible Medizin, Bielefeld, Deutschland; Radboud University Medical Center, Gender in Primary and Transmural Care, Niederlande

Text

Hintergrund: In bevölkerungsbezogenen Studien ist die Erfassung des biologischen Geschlechts der Teilnehmenden ein fester Bestandteil. Die Forderung nach einer differenzierten Erfassung von Geschlecht in der Gesundheitsforschung besteht seit mehr als 20 Jahren. Bis heute jedoch scheint die Erfassung von Geschlecht nicht ausreichend präzise, um den tatsächlichen Einfluss von geschlechtsassoziierten Faktoren in Studien zu berücksichtigen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war es, in einer ersten Auswahl von nationalen Kohortenstudien und Registerstudien zu prüfen, wie das Geschlecht erfragt und operationalisiert wurde und ob sich die Erfassung zwischen den Erhebungswellen verändert.

Material & Methoden: Im Rahmen einer online-Recherche wurden beispielhaft verschiedene bevölkerungsbezogenen Studien (Kohorten und Registerstudien) hinsichtlich der Operationalisierung von Geschlecht untersucht. Eingeschlossen wurden bevölkerungsbezogene Studien, die die erwachsene Allgemeinbevölkerung betrachten und noch aktiv Daten erheben.

Ergebnisse: Insgesamt wurden bei der online-Recherche 20 nationale bevölkerungsbezogenen Studien (Kohortenstudie: n=15; Registerstudie: n=5) eingeschlossen. Bei 11 der 20 Studien konnte online die Erfassung des Geschlechts nachvollzogen werden. Bei vier (36,4%) der 11 Studien wurde das im Geburtsregister eingetragene Geschlecht stets binär (männlich/weiblich) erhoben. Sieben Studien haben zwischen 2014 und 2025 eine Erweiterung der Auswahlitems für Geschlecht zusätzlich zu männlich/weiblich die Kategorie „divers“ (n=5, 45,6%) ergänzt. Eine Studie (9%) hat die Geschlechtsidentität mit dem „Two-Step-Ansatz“, bei dem biologischen Geschlecht und Genderidentität getrennt erhoben werden, und eine Studie (9%) die Geschlechtszugehörigkeit erfragt.

Diskussion: Eine Erweiterung der Auswahlmöglichkeiten für das Item zur Erhebung von Geschlecht bei Geburt findet sich bei einigen Kohorten im Zeitraum der letzten 12 Jahre. Dennoch bleibt die Erfassung in der Regel dem binären Modell verhaftet. Eine differenziertere Erhebung des biologischen Geschlechts, der Genderidentität und verschiedener Genderdimensionen könnte helfen, geschlechtsassoziierte Effekte besser zu verstehen.

Take Home Message für die Praxis: Eine differenziertere Erfassung des Geschlechts ist wichtig, um der Komplexität von geschlechtsbezogenen Fragestellungen gerecht zu werden.

Interessenkonflikte: Keine