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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Soziale Determinanten und Risikokonstellationen psychischer Belastung bei Studierenden: Ergebnisse der REALISE-Kohortenstudie

Pauline Endler - Friedrich Schiller Universität Jena, Institut für Psychologie, Professur für Klinische Psychologie, Jena, Deutschland
Fabian Andreas Rottstädt - Friedrich Schiller Universität Jena, Institut für Psychologie, Professur für Klinische Psychologie, Jena, Deutschland

Text

Hintergrund: Studierende gelten als besonders vulnerable Gruppe für psychische Belastungen, da sie neben den Herausforderungen der „emerging adulthood“ zusätzlich durch Zukunftsunsicherheit, Leistungsdruck und strukturelle Anforderungen des Hochschulkontexts herausgefordert sind. Während bisherige Forschung vor allem einzelne Prädiktoren betrachtet, fehlen Analysen, die das Zusammenspiel zentraler Risikofaktoren und daraus entstehende Risikokonstellationen differenziert erfassen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie ist es, zentrale soziale und studienbezogene Determinanten psychischer Belastung zu identifizieren und deren Zusammenspiel anhand von Entscheidungsbaumverfahren zu analysieren. Es soll untersucht werden, welche Risikokonstellationen mit hoher Belastung verbunden sind und welche Faktoren protektiv wirken.

Material & Methoden: Grundlage bilden Daten der laufenden prospektiven Kohortenstudie REALISE an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (seit 10/2023). Analysiert wurde ein bereinigter Datensatz von N =1.302 Studierenden, die monatlich psychische Belastung mittels der DASS-21 beantworteten. Eingeschlossen wurden Personen mit ≥ 75% beantworteten Items. Zur Identifikation relevanter Risikokonstellationen wurden Entscheidungsbaumverfahren (Conditional Inference Tree, Regressionsbaum) eingesetzt.

Ergebnisse: Als stärkste Risikofaktoren für erhöhte psychische Belastung erwiesen sich mit leicht unterschiedlichen Gewichtungen und Cut-offs über alle Modelle hinweg eine schlechtere Abiturnote, nicht-deutsche Nationalität, ein nicht-männliches Geschlecht sowie ein niedrigerer subjektiver sozialer Status. Entscheidungsbäume mit erhöhter Komplexität verdeutlichten differenzierte Interaktionseffekte zwischen diesen Faktoren.

Diskussion: Die Ergebnisse heben die Bedeutung sozioökonomischer und leistungsbezogener Faktoren im Zusammenspiel für die psychische Gesundheit von Studierenden hervor. Entscheidungsbäume ermöglichen die Identifikation distinkter vulnerabler Subgruppen und liefern damit Erkenntnisse, die über klassische lineare Analysen hinausgehen.

Take Home Message für die Praxis: Psychische Belastung im Studium entsteht nicht zufällig, sondern spiegelt komplexe soziale und strukturelle Bedingungen wider.

Präventions- und Unterstützungsangebote sollten daher sensibel für unterschiedliche Belastungsprofile gestaltet und an die vielfältigen Lebenslagen von Studierenden angepasst werden.

Interessenkonflikte: Keine