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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Telemedizinische Videosprechstunde im Bereitschaftsdienst als Instrument der Patientensteuerung in der Akut- und Notfallversorgung – Routinedatenanalyse aus Bayern

Kalina Witt - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Deutschland
Stefanie Lind - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Deutschland
Natalie Schmidt - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Deutschland
Tanja Filippi-Mandl - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Deutschland
Gökhan Katipoglu - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Deutschland
Christian Pfeiffer - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Deutschland

Text

Hintergrund: Eine bedarfsgerechte Patientensteuerung ist zentral, um Notaufnahmen zu entlasten und Versorgungsressourcen effizient einzusetzen. Telemedizinische Angebote im Ärztlichen Bereitschaftsdienst können als vorgelagerte Steuerungsinstanz fungieren, indem sie medizinische Ersteinschätzung, Beratung und fallabschließende Behandlung kombinieren. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns betreibt hierzu eine Videosprechstunde über die eigenentwickelte Plattform DocOnLine mit strukturierter Ersteinschätzung und Dringlichkeitsbewertung durch das als Medizinprodukt zugelassene Tool Strukturierter medizinischer Ersteinschätzung in Deutschland (SmED).

Zielsetzung/Fragestellung: Untersuchung, inwieweit die Videosprechstunde zur Steuerung von Patienten in der Akut- und Notfallversorgung beiträgt. Analysiert werden Nutzungsmuster, Wartezeiten, Fallabschlüsse, Weiterverweisungen sowie Patientenmerkmale, Vorstellungsanlässe und die Anwenderzufriedenheit.

Material & Methoden: Retrospektive Auswertung von Routinedaten der Videosprechstunde sowie verknüpfter Sekundärdaten aus der strukturierten Ersteinschätzungen via SmED und Primärdaten aus einer Anwenderbefragung. Für den Kongress werden erweiterte Analysen über einen längeren Beobachtungszeitraum sowie Ergebnisse der Anwenderbefragung berichtet.

Ergebnisse: Im Zeitraum 01.01.–28.02.2026 wurden 1.331 Videosprechstunden durchgeführt, davon 1.170 (88%) während der Bereitschaftsdienstzeiten. 80% der Kontakte konnten telemedizinisch fallabschließend versorgt werden. Lediglich 5% wurden in eine Notaufnahme weitergeleitet. 74% der Anrufenden erreichten die Versorgung innerhalb von ≤ 10 Minuten. Die größte Altersgruppe waren 9–13-Jährige (51%). Häufige Leitsymptome waren Fieber (19%) sowie Erkältung/grippaler Infekt (14%).

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass die Videosprechstunde als wirksames Steuerungsinstrument fungiert: Ein Großteil der Anliegen wird niedrigschwellig, zeitnah und ohne Inanspruchnahme von Notaufnahmen oder Bereitschaftspraxen gelöst. Die Kombination aus SmED-gestützter Ersteinschätzung und ärztlicher Videokonsultation ermöglicht eine sichere Differenzierung zwischen telemedizinisch behandelbaren Fällen und weiterführendem Versorgungsbedarf. Damit kann die Versorgung gezielter in geeignete Sektoren gelenkt werden.

Take Home Message für die Praxis: Videosprechstunden im Bereitschaftsdienst stärken die Patientensteuerung: Sie bieten eine schnelle Ersteinschätzung, schließen viele Fälle direkt ab und reduzieren unnötige Notaufnahmekontakte. Telemedizin kann so als vorgelagerter Gatekeeper in der Akutversorgung wirken.

Interessenkonflikte: Keine