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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Sozialberatung in hausärztlichen Praxen: Ergebnisse eines Pilotprojekts in Hamburg

Thomas Kloppe - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Deutschland
Nuray Can - Can Medica, Deutschland
Anke Dünwald - hamburger arbeit GmbH, Geschäftsführung, Hamburg, Deutschland
Christine Schroth - Privat, Deutschland
Britta Tetzlaff - Hochschule Hannover, Fakultät V – Diakonie, Gesundheit und Soziales, Hannover, Deutschland
Jana Husemann - Praxis St. Pauli, Deutschland
Tobias Münster - hamburger arbeit GmbH, Geschäftsführung, Hamburg, Deutschland
Thomas Zimmermann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Deutschland
Claudia Mews - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Soziale Problemlagen und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Hausärztliche Praxen sind niedrigschwellige Anlaufstellen, in denen soziale Anliegen regelmäßig thematisiert werden – jedoch fehlen dort häufig die Ressourcen und Fachkenntnisse, um diese adäquat zu bearbeiten. Vor dem Hintergrund wachsender sozialer Ungleichheit und ihrer gesundheitlichen Folgen besteht Bedarf an integrierten Versorgungsansätzen.

Zielsetzung/Fragestellung: Kann eine direkt in der hausärztlichen Praxis verankerte Sozialberatung Vermittlungshemmnisse abbauen und eine wirksame Schnittstelle zwischen medizinischer und sozialer Versorgung schaffen? Das Hamburger Pilotprojekt untersuchte Machbarkeit, Akzeptanz und Nutzen dieses Ansatzes.

Material & Methoden: Das Projekt wurde von einem Konsortium aus Hamburger Hausärzteverband, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin (UKE), Ärztekammer Hamburg und dem sozialen Träger hamburger arbeit entwickelt und im 2. Halbjahr 2024 in sechs Praxen implementiert. Zielgruppe waren in Hamburg lebende Menschen im erwerbsfähigen Alter mit sozialen Problemlagen. Die Evaluation erfolgte durch Routinedokumentation, eine standardisierte Patient:innenbefragung (n=47) sowie einen Abschlussworkshop mit beteiligten Akteur:innen.

Ergebnisse: In sechs Monaten wurden 229 Beratungstermine mit 156 Personen durchgeführt. Häufigste Beratungsthemen waren Unterstützung bei Antragsstellung, Wohnraumsuche, finanzielle Probleme und Arbeitsvermittlung. Patient:innen bewerteten das Angebot durchgängig positiv; die Kommunikation wurde als barrierefrei erlebt. Hausärzt:innen berichteten von Entlastung im Praxisalltag und einer verbesserten Vernetzung mit Angeboten im Sozialraum.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass die Integration von Sozialberatung in die Primärversorgung durch einen bestehenden lokalen sozialen Träger praktikabel und von allen Beteiligten akzeptiert ist. Das Modell adressiert strukturelle Lücken an der Schnittstelle von Medizin und Sozialwesen. Herausforderungen bestehen hinsichtlich der Raumkapazitäten in Praxen sowie der Wegezeiten der Sozialberater:innen. Eine Verstetigung und Ausweitung erfordert tragfähige Finanzierungsmodelle.

Take Home Message für die Praxis: Mobile Sozialberatung direkt in der hausärztlichen Praxis ist machbar, wird von Patient:innen und Ärzt:innen gleichermaßen geschätzt und kann soziale Problemlagen früh und niedrigschwellig adressieren. Dieser Ansatz ein vielversprechendes Modell für eine integrierte, soziallagensensible Primärversorgung.

Interessenkonflikte: Keine