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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Spezialisierte hausärztliche Versorgung für wohnungslose Menschen: Longitudinale Analyse von Diagnosen und Überweisungsmustern bei 5.055 Patienten in Hamburg

Daniel Tajdar - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Johanna Sophie Bobardt-Hartshorn - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Thomas Kloppe - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Dagmar Lühmann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Martin Scherer - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Carolin van der Leeden - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Ingmar Schäfer - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland leben über 47.000 Menschen auf der Straße, davon rund 3.800 in Hamburg. Wohnungslose Menschen nehmen die reguläre ambulante Versorgung meist nicht in Anspruch, unter anderem aufgrund fehlender Krankenversicherung, Scham, finanzieller Hürden oder erlebter Stigmatisierung. Bei gesundheitlichen Beschwerden suchen sie daher bevorzugt die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf, da sie dort nicht abgelehnt werden dürfen. Dies verstärkt die Überlastung der Notfallversorgung und verursacht vermeidbare Kosten im Gesundheitssystem. Seit 2013 stehen in Hamburg drei spezialisierte Praxen zur Verfügung, die eine primärärztliche Versorgung wohnungsloser Menschen in Zusammenarbeit mit medizinischen Fachangestellten, Pflegekräften und Sozialarbeitenden gewährleisten.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, welcher Anteil der Konsultationen in diesen Einrichtungen ambulant versorgt werden konnte und bei welchen Beschwerden eine Krankenhauseinweisung bzw. eine fachärztliche Überweisung erforderlich war.

Material & Methoden: Die longitudinale Analyse basiert auf Routinedaten von 5.055 Patienten aus elektronischen Krankenakten der drei Praxen über einen Zeitraum von 10 Jahren. Konsultationsgründe wurden anhand von ICD-10-Diagnosen auf Kapitel-, Block- und Kategorieebene mit einer Mindestprävalenz von 5% ausgewertet. Die Auswertung erfolgte mittels gemischter logistischer Regressionsmodelle.

Ergebnisse: Das mittlere Alter betrug 44,6 Jahre; 4.207 (83,2%) waren männlich. Von 13.330 Konsultationen führten 727 (5,5%) zu einer fachärztlichen Überweisung und 721 (5,4%) zu einer Krankenhauseinweisung. Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol- und Substanzkonsum waren mit 28,4% (n = 1.436 Patienten) die häufigsten Diagnosen und signifikant mit einer Krankenhauseinweisung assoziiert (z. B. Alkoholbezogen: Odds Ratio 1,76; 95%-Konfidenzintervall 1,39–2,23; p < 0,001). Überweisungen an die Spezialisten erfolgten insbesondere bei muskuloskelettalen Erkrankungen, darunter Arthropathien (2,43; 1,78–3,33; p < 0,001) und Dorsopathien (1,42; 1,01–1,99; p = 0,045). Patienten mit chronischen Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, nahmen die Versorgung häufiger in Anspruch.

Diskussion: In neun von zehn Fällen konnten die gesundheitlichen Beschwerden wohnungsloser Menschen in spezialisierten Praxen ambulant versorgt werden.

Take Home Message für die Praxis: Spezialisierte medizinische Angebote für diese Zielgruppe tragen zu einer verlässlichen Versorgung bei, entlasten zentrale Notaufnahmen und helfen, vermeidbare Gesundheitskosten zu reduzieren.

Interessenkonflikte: Keine