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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Subjektive Überschätzung des objektiven Hör- und Sehvermögens bei Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen: Ergebnisse des Innovationsfondsprojekts MVP-STAT

Corinna Burfeindt - Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Bremen, Deutschland
Heinz Rothgang - Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Bremen, Deutschland
Ansgar Gerhardus - Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Bremen, Deutschland
Guido Schmiemann - Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Bremen, Deutschland
Karin Wolf-Ostermann - Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Bremen, Deutschland
Falk Hoffmann - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Department für Versorgungsforschung, Oldenburg, Deutschland
Jonas Czwikla - Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B), Würzburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Viele stationär versorgte Pflegebedürftige haben Hör- und Sehbeeinträchtigungen, die identifiziert werden müssen, um negative Folgen reduzieren zu können. Zur Identifikation existieren objektive Tests und subjektive Fragebögen, wobei bekannt ist, dass viele Menschen ihr Hör und Sehvermögen überschätzen. Unklar ist jedoch, bei wie vielen und welchen Pflegebedürftigen dies der Fall ist.

Zielsetzung/Fragestellung: Das Ziel war es, das objektive und subjektive Hör- und Sehvermögen bei stationär versorgten Pflegebedürftigen zu vergleichen und zu untersuchen, mit welchen individuellen Merkmalen die Überschätzung des Hör- bzw. Sehvermögens assoziiert ist.

Material & Methoden: Im Innovationsfondsprojekt „MVP-STAT – Bedarfsgerechtigkeit der medizinischen Versorgung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen“ wurden in den Jahren 2018/19 Querschnittdaten von 442 Pflegebedürftigen aus 44 Einrichtungen erhoben. Das Hör- und Sehvermögen (ggf. mit Hörgerät bzw. Sehhilfe) wurde bei 227 und 220 Personen mittels objektiver Tests und subjektiver Selbstbeurteilungsfragebögen bewertet. Assoziationen zwischen individuellen Merkmalen und der Überschätzung des Hör- bzw. Sehvermögens wurden in multivariablen logistischen Regressionen untersucht.

Ergebnisse: Der Anteil an Hörbeeinträchtigten war objektiv höher als subjektiv (58,6% vs. 37,9% [p <0,0001]) und 54,1% der objektiv Beeinträchtigten überschätzten sich. Die Überschätzung war negativ assoziiert mit dem Tragen (adjustierte Odds Ratio 0,07 [0,02–0,28]) und Nichttragen (0,09 [0,02-0,36]) vs. Nichthaben eines Hörgeräts. Keine Assoziationen zeigten sich mit den Merkmalen Geschlecht, Alter, Pflegegrad, Aufenthaltsdauer in der Einrichtung und Komorbidität. Der Anteil an Sehbeeinträchtigten war ebenfalls objektiv höher als subjektiv (69,1% vs. 39,1% [p <0,0001]) und 53,3% der objektiv Beeinträchtigten überschätzten sich. Eine Überschätzung war nicht mit individuellen Merkmalen assoziiert.

Diskussion: In stationären Pflegeeinrichtungen überschätzt mehr als jede zweite hörbeeinträchtige Person ihr Hörvermögen, was bei Besitz eines Hörgeräts, seltener vorkommt. Dies könnte durch ein höheres Bewusstsein für Hörbeeinträchtigungen bei Personen mit Hörgerät erklärbar sein. Das Sehvermögen wird von mehr als jeder zweiten sehbeeinträchtigen Person überschätzt, was nicht mit den untersuchten individuellen Merkmalen assoziiert ist.

Take Home Message für die Praxis: Hör- und Sehbeeinträchtigungen sollten in stationären Pflegeeinrichtungen mittels objektiver Tests identifiziert werden, da subjektive Fragebögen das Problem unterschätzen.

Interessenkonflikte: Keine