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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Bündelung der Nutzung neuer, risikoreicher Verfahren im Krankenhaus zur Qualitätssteigerung und Erkenntnisgewinnung – eine lösbare Aufgabe

Philipp Storz-Pfennig - GKV-Spitzenverband [National Association of Statutory Health Insurance Funds], Medizin, Deutschland
Matthias Dettloff - GKV-Spitzenverband [National Association of Statutory Health Insurance Funds], Medizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Jüngst wurden seit geraumer Zeit vorliegende Vorschläge aufgegriffen, neue Methoden, zunächst in leistungsfähigen Krankenhäusern (KH) die auch zur notwendigen, weiteren Erkenntnisgewinnung beitragen, zu bündeln. Bisher ist von einer zu weiten Anwendung ungeprüfter Verfahren auszugehen, die wenig, bis nichts zur Erkenntnisgewinnung beiträgt.

Zielsetzung/Fragestellung: Es soll die tatsächliche Verteilung der Nutzung neuer Methoden auf die KH untersucht und eine mögliche Bündelung auf eine geringere Zahl KH mit höheren Fallzahlen abgeschätzt werden.

Material & Methoden: Auf der Grundlage von KH-Daten für 2023/24 wird für drei Methoden (inToto-Thrombektomie bei Lungenembolie, Stent-Retriever bei zerebrov. Vasospasmen, Endovs. Trikuspidalklappenersatz), die Verteilung der Nutzung auf KH ermittelt und eine hypothetische, andere Verteilung auf möglichst wenige KH und eine hypothetische Beschränkung auf eine notwendige Fallzahl ermittelt. Dazu wird angenommen, dass KH mit den in der Summe Nutzung der neuen Methode und der Standard- bzw. Vergleichstherapie höchsten Fallzahlen diese jeweils im "idealen" Verhältnis 1:1 anwendeten und auf eine mittlere Effektstärke (Cohens d >= 0,5) geprüft werden soll.

Ergebnisse: Die inToto-Thrombektomie wurde 2023 in 88 KH 369-mal genutzt (Verteilung auf KH: Min. 1, 25%-Quantil 1, Median 3, arith. Mittel 4, 75%-Q. 5, Max. 47), 2024 in 163 KH 1044-mal (Min. 1, 25%-Q. 2, Median 4, arith. M. 6, 75%-Q. 9, Max. 49). Um eine mittlere Effektstärke nachzuweisen, wären insgesamt 128 Fälle notwendig, die in der Summe der 8 (2023) bzw. 7 (2024) KH mit den größten Fallzahlen erreichbar wären. Die Fallzahlen/Zahl nutzender KH für Stent-Retriever und Trikuspidalklappenersatz in 2023/24 liegen zwischen 61-295/22-42. Die Zahl der benötigten KH, um eine Fallzahl von mindestens 128 zu erreichen läge zwischen 2 und 11.

Diskussion: Die faktische Nutzung zeigt die erwartete problematische Verteilung. Legt man die, relativ breite, Verteilung der tatsächlichen Fallzahlen der KH in der jeweiligen Indikation zugrunde, so erscheint selbst dann eine Nutzung im erforderlichen Maße („only in Research“) durch wenige KH gut möglich. Eine noch stärker konzentrierte Nutzung würde dies weiter erleichtern, geringere Effekte naturgemäß höhere Fallzahlen erfordern. Die Analysen zeigen auch, dass sich ohne Bündelung die Nutzung ungeprüfter Methoden rasch weiter ungünstig entwickeln kann.

Take Home Message für die Praxis: Eine Konzentration der Nutzung neuer Methoden auf leistungsfähige Krankenhäuser wäre gut möglich und könnte die Erkenntnisgewinnung auf eine neue Stufe heben

Interessenkonflikte: Keine